Auf Entdeckungsreise durch die Provinz Ferrara in der Emilia-Romagna

Die Provinz Ferrara hat einiges zu bieten sowohl für Kultur- und Naturliebhaber als auch für Sportbegeisterte und Gourmets.

Lage und Besonderheiten

Das Mündungsdelta des Po befindet sich in der Region Emilia-Romagna, Italien, an der Adria und grenzt an die Region Veneto an. Die Städte Ferrara, Ravenna und Venedig sind UNESCO Weltkulturerbe. Der Podelta-Park ist UNESCO Biosphärenreservat.

Anreise

3 Flughäfen (Venedig, Bologna und Rimini)
Auto (Brenner Autobahn)
Zug (Ferrara, Ravenna)
Bus (Flughafen Bologna –Ferrara)

Comacchio – Klein Venedig

Comacchio (Klein-Venedig)

Comacchio (Klein-Venedig). Copyright: Roberto Maggioni

Der Startpunkt unserer Reise ist die mittelalterliche Lagunenstadt Comacchio. Die Hauptstadt des Küstengebietes von Ferrara wurde auf 13 Lagunen (Inseln) gegründet. Malerische Kanäle durchziehen die Altstadt von Comacchio und versetzen den Besucher nach Venedig – nur ohne den dortigen Massentourismus. Mit den Comacine (ehemalige Boote für den Salztransport) kann man über die Kanäle in der Altstadt fahren und die pastellfarbenen Häuser und Baudenkmäler wie zum Beispiel die Brücke „Trepponti“ bewundern. Sie ist das Wahrzeichen von Comacchio und wurde 1634 von Architekt Luca Danesi entworfen. Etrusker, Byzantiner und Venezianer hinterließen in Comacchio ihre kulturellen Spuren. Die Bewohner selbst verstehen sich als Nachfahren der etruskischen Stadt Spina.

Sieben weiße Natursandstrände, die „sette lidi“, reihen sich wie Perlen auf insgesamt 23 km aneinander und laden zum Baden und Relaxen ein (Blaue Flagge = hohe Wasserqualität, nachhaltiger Tourismus). Wer keine Lust am Strandleben hat, kann sich im Adelspalast „Palazzo Bellini“ über das antike Seemannsleben informieren, das „Museo della Nave Romana“ besuchen oder sich von den traditionellen Fischgerichten verwöhnen lassen – Comacchio ist insbesondere für den Aalfang bekannt. So gibt es mehr als 48 verschiedene Aalgerichte, wie zum Beispiel das delikate Risotto mit Aal, die Aalsuppe, marinierte Aal-Filets und Aal vom Grill.

Ausflüge in den „Parco del Delta del Po“ mit dem Boot, Rad oder Auto

Radtour im Valli-di-Comacchio

Valli-di-Comacchio. Copyright: Luca Beretta

Nur wenige Meter vom Strand entfernt befindet sich der Park des Po-Deltas, Italiens größter Regionalpark – MAB-UNESCO-Biosphärenreservat 12.000 ha (ca.) im Veneto und 54.000 ha (ca.) in der Emilia-Romagna. Dieses Biosphärenreservat ist ein weiträumiges und einzigartiges Gebiet, wo Land und Gewässer in einem harmonischen Gleichgewicht sind. Ein wasserreiches, von der Adria und den Po-Ausläufern geprägtes Gebiet. Über 1000 verschiedene Pflanzen- und gut 370 Vogelarten. Eine faszinierende Landschaft – ähnlich der südfranzösischen Camargue.

Geführte Touren per Motorboot bringen Besucher zu den reizvollen „Valli di Comacchio“ (Lagunenseen) und zu den alten und in ihrem ursprünglichen Aussehen wiederhergestellten „Casoni di Pesca“ (Fischerhäuser) oder im Po-Delta zu den entlegensten Winkeln. Sie können auf diese Weise eine wahrhaft einzigartige Landschaft entdecken, die Sie mit sehr intensiven Erlebnissen belohnt. Es besteht die Möglichkeit, mit dem Bootsausflug auch Fahrradtouren, Birdwatching und touristisches Angeln zu verbinden oder bis nach Venedig oder Ravenna zu gelangen. Ein besonders reizvoller Fahrradausflug – auch für Familien mit kleineren Kindern – führt durch die Landschaft der „Valli“ (Lagunenseen) an alten Fischerhäuern vorbei zur Saline, ein Durchzugs- und Nistgebiet für eine Vielzahl an Vogelarten und Pflanzen. Sie erstreckt sich über 600 Hektar, und besteht aus Kanälen und Sandbänken, die tiefe Becken mit hohem Salzgehalt umschließen. Wahrzeichen dieser Naturoase ist der rosa Flamingo, der in dieser Gegend den idealen Lebensraum findet.

Ferrara – Kleinod der italienischen Renaissance

Ferrara - Castello Estense

Ferrara – Castello Estense. Copyright: Luca-Beretta

Die Renaissance-Stadt Ferrara ist Hauptstadt der Provinz Ferrara und liegt in der östlichen Po-Ebene in der Region Emilia-Romagna. Ferrara wurde geprägt durch die Herrscherfamilie Este, unter deren Einfluss die Stadt im Verlauf von drei Jahrhunderten zu einem Meisterwerk der italienischen Renaissance wurde. Seit 1995 gehört die Innenstadt von Ferrara zum UNESCO Weltkulturerbe. Unter der Este-Dynastie erlebte Ferrara seine Blütezeit, in denen es wichtige Künstler und Literaten beherbergte und in vielen Bereichen eine vorrangige Stellung einnahm. Das „Castello Estense“, Schloss der Familie d’Este aus dem 14. Jahrhundert, ist das Wahrzeichen von Ferrara. Ende des 15. /Anfang des 16. Jahrhunderts erhielt die Stadt ihr heutiges Aussehen auf Basis eines städtebaulichen Entwurfs von Biagio Rossetti. Sehenswert sind neben dem mittelalterlichen Viertel mit seinen engen Gassen und der romanisch-gotischen Kathedrale die zahlreichen Renaissance-Paläste aus der Este-Dynastie, allen voran „Palazzo dei Diamanti“, „Palazzo Schifanoia“, „Casa Romei Adore“ und die „Palazzina Marfisa d’Este“. Als europäisches Kunstzentrum und Wohnort großartiger Dichter, Schriftsteller und Wissenschaftler wie Tasso, Ariosto, Paracelso und Kopernikus, ist Ferrara reich an Museen wie etwa dem Museum für moderne und zeitgenössische Kunst „Filippo de Pisis”, das archäologische Nationalmuseum im Palazzo von „Ludovico il Moro“ aus dem 16. Jahrhundert sowie das Museum „Giovanni Boldini“, die Nationalpinakothek. Die 8 km lange Stadtmauer um die Altstadt ist eines der imposantesten Verteidigungssysteme des Mittelalters und der Renaissance und kann sogar per Fahrrad erkundet werden. Darüber hinaus hat Ferrara ein reiches jüdisches Erbe. Nachdem die Stadt die spanischen Juden aufgenommen hat, zählen zu ihren Sehenswürdigkeiten eine prächtige Synagoge, ein jüdisches Museum sowie ein bedeutender jüdischer Friedhof.

Als „Stadt der Fahrräder“ ist Ferrara untrennbar mit der Fahrradkultur verbunden. Radfahrer beherrschen die Straßen. Kein Wunder, dass in der Provinz Ferrara Radfahrern ein Netz aus mehr als 300 km an Fahrradwegen zur Verfügung steht. Am reizvollsten ist unter den vielen Wegen in der Stadt zweifellos der Weg auf der Stadtmauer.

Kulinarisches für Feinschmecker

Für seine kulinarische Tradition, die auf das Mittelalter zurückreicht, ist Ferrara bekannt. Zu den traditionelle Spezialitäten zählen die feine „Salama da sugo“, der süße, runde Kuchen „Panpepato“, die mit Kürbis gefüllten „Cappellacci“ Nudeln, die es bereits zu Zeiten der Este zubereitet wurden und die „Coppia ferrarese“, eine Art Sauerteigbrot, das aus Mehl, Schmalz, Malz und Olivenöl hergestellt wird und eine verdrehte Form hat. Es wurde erstmals im 12. Jahrhundert in Ferrara zubereitet.

Weinliebhaber sollten das Lokal „Al Brindisi“ gleich neben der Kathedrale aufsuchen, das nachweislich seit 1435 besteht und somit die älteste Weinschenke der Welt ist.