UNESCO Weltkulturerbe: Die legendären Mühlen von Kinderdijk

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Als in der Nacht vom 18. auf den 19. November 1421 die verheerende Elisabethensturmflut über die Niederlande hereinbrach, riss sie nicht nur ganze Häuser mit sich, sondern trug der Legende nach auch eine kleine Holzwiege weit auf den offenen Fluss Lek hinaus. Erst viele Stunden später wurde die Wiege mitsamt ihres weinenden Inhalts wieder an Land gespült.

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An jener Stelle befindet sich heute das Städtchen Kinderdijk. Benannt nach der schönen Wiegenkind-Sage wurde hier schon im Mittelalter ein erster Deich, der Kinderdijk, errichtet. Dieser sollte in erster Linie die Einwohner von Kinderdijk vor künftigen Sturmfluten und eben auch Überschwemmungen im Mündungsbereich von Lek und Noord schützen.

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Sowohl der Deich als auch die Region Kinderdijk sind inzwischen zum UNESCO-Weltkulturerbe erklärt worden. Doch liegt das weniger an der sagenhaften Legende vom niederländischen Moses. Vielmehr wurde damit im Jahr 1997 die herausragende Ingenieursleistung geehrt, welche die Menschen hier im frühen 18. Jahrhundert vollbrachten:
Die Errichtung der Kinderdijk-Mühlen.

Die Geschichte der Kinderdijk-Windmühlen

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Als ein dichtes Netz von ehemals 20 Windmühlen recken sich die Kinderdijk-Molens seit mehr als 270 Jahren hoch in den blauen Himmel. Dabei richten sie ihre hölzernen Windflügel stets gegen den Wind, der hier vornehmlich aus Nordosten weht. Zu ihren Füßen fließt träge der Polderkanal in Richtung Deich, wo sein Wasser an den Schiffsschleusen in den mehrere Meter höher gelegenen Fluss gepumpt wird. Trotz aller Idylle, hinter dieser beschaulichen Kulturlandschaft steckt viel Arbeit. So wurde schon im Spätmittelalter verstärkt damit begonnen die weiten Sumpflandschaften der Niederlande für den landwirtschaftlichen Anbau urbar zu machen. Als erste Maßnahme dienten dazu Drainagekanäle, die das Wasser sammelten und langsam in Richtung Fluss transportierten.

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Da die hinter Deichen fließenden Flüsse jedoch auf einem höheren Niveau lagen, wurde es notwendig das abfließende Polderwasser mittels der Windkraft auf dieselbe Höhe zu pumpen. Aufgrund der Lage zwischen zwei Flüssen, entstand auf diese Weise seit 1738 ein außergewöhnlich dichtes Netz an Windmühlen. An strategisch wichtigen Stellen errichtet, arbeiteten die 19 Kinderdijk-Mühlen bis zur Mitte des 20. Jahrhunderts harmonisch im Takt miteinander, um die Polderfelder trocken zu halten. Ab den 1950ern begann der Einsatz elektrischer Pumpsysteme, die inzwischen zwar die ganze Arbeit der Müllersfamilien übernommen haben. Doch alle Mühlen sind immer noch voll einsatzbereit und bis auf die Museumsmühle auch noch ganzjährig bewohnt.

Museum Kinderdijk-Molens

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Das Mühlenmuseum besteht aus zwei Niederlassungen: Dem Besucherzentrum mit informativer Ausstellung zur Geschichte des UNESCO Weltkulturerbes sowie der historischen Museumsmühle. Hier wandeln Besucher auf den Spuren der Geschichte und entdecken dabei eine typische Mühlenmüllerswohnung aus den 1950er Jahren. Doch auch die ausgeklügelte Technik der niederländischen Windmühlen kann hier hautnah bestaunt werden. Die Museumsmühle (Molen Nr. 2) befindet sich direkt am Nieuwe Waterschap auf Nederwaard. Die insgesamt 19 Mühlen werden nach Ihrem Polder Standort in drei Gruppen unterteilt: Die Nederwaard-, Overwaard- und De Blokker-Mühlen.

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Die 8 Mühlen auf Nederwaard bilden als 1738 errichtete Backsteinmühlen die ältesten. Ihre 10 (ehemals 11) Nachbarn auf Overwaard wurden schon zwei Jahre später aus Holz gebaut und mit Reet eingedeckt. Als einsame „wipmolen“ (Wippmühle) erhebt sich auf dem Blokweer-Polder zwar schon seit dem 15. Jahrhundert die Kokerwindmühle. Da sie jedoch immer wieder abgebrannt ist, stammt das heutige Exemplar aus dem Jahre 2001. Alle 19 Mühlen werden von einem Fuß- und Radweg erschlossen. Wer es lieber romantischer mag, der nimmt einfach eines der Ausflugsschiffe. Diese starten beim Parkplatz am Besucherzentrum und fahren binnen einer halben Stunde alle Windmühlen ab.

Gastautor: Daniela Fehrenbacher