Dolce vita à la Grado – Urlaub bei Venedigs kleiner Schwester

Grado, Italien

Grado, Italien

Sie ist nicht so bekannt, wie ihre große Schwester im Westen der Adria. Doch die Lagunenstadt Grado überrascht auch Venedigliebhaber: Hier präsentiert sich eine über Jahrhunderte gewachsene Hafenstadt, deren Charme bis heute erhalten geblieben ist. Obwohl die Haupterwerbszweige inzwischen die Seefischerei und der Tourismus bilden, hat sich Grado seine Authentizität als Fischerstädtchen bewahrt. Dank der zahlreichen, sehr flach abfallenden Sandstrände und der allgemein sehr kinderfreundlichen Infrastruktur, ist Grado vor allem für Familien ein beliebtes Ferienziel an der Adria. Dabei ging es auf Grado nicht immer so beschaulich zu…

Vom Seeräubernest zum Touristenparadies

Die strategisch günstige Lage am Nordende der Adria macht die Laguna di Grado schon im 2. Jahrhundert vor Christus zu einem bevorzugten militärischen Standort. So wurde hier ein See- und Militärhafen errichtet, welcher der Stadt Aquilea zugeordnet war. Dank der Insellage eignete sich Grado aber auch als Festungssitz, sodass es bis ins Mittelalter als herausragendes Bollwerk gegen Angriffe aus dem Osten diente. Der militärstrategischen Bedeutung Grados fand schließlich in der Errichtung des Patriarchats Grado zwischen 575 und 1131 ihren politischen Niederschlag. Im Zuge des rasanten Aufstiegs der Republik Venedigs ab 900 büßte Grado jedoch seine Macht nach und nach ein und fiel ab dem späten Mittelalter unter die Herrschaft der großen Schwester. Venedig kümmerte sich wenig um das kleine Hafenstädtchen im Norden, sodass das inzwischen hauptsächlich von Fischern besiedelte Lagunenstädtchen über vier Jahrhunderte hinweg regelmäßig von Seeräubern und Piraten heimgesucht wurde. Diese fanden die in der von unzähligen Inseln geprägten Lagune immer einen Schlupfwinkel und fühlten sich dementsprechend wohl in der Laguna di Grado. Erst als die Stadt 1815 an die Habsburger fiel, wurden neue Strukturen aufgebaut: So durften sich ab 1854 die ersten Badetouristen in den neu errichteten „camerini“ (Strand- und Umkleidekabinen) auf ihr Bad in der Adria vorbereiten. 1892 ernannte Kaiser Franz Josef I. das Eiland schließlich zum kaiserlich-königlichen Seebad mit „Kur- und Badeanstalt Grado“. Der Grundstein für eine florierende Zukunft war gelegt worden.

Ein unverwechselbares Unikat

Wer heute durch die Gassen von Grado schlendert, sich unter den Pinien entlang des Canales auf eine Bank setzt und den vorbeiziehenden Fischerbooten hinterherschaut, der spürt es: Grado ist einfach unverwechselbar. Das liegt nicht nur an der einmaligen Lage inmitten der Laguna di Grado, sondern vor allem auch an der pittoresken Altstadt und deren Bewohnern. Übersieht man die teuren Luxusjachten, dann scheint in so mancher Ecke die Zeit stehen geblieben zu sein: Unterm schattigen Laubendach der Trattorien werden bei einem Espresso die aktuellen Neuigkeiten diskutiert, auf den Straßen flickt so mancher Fischer sein Netz und aus der Markthalle an der Piazza Duca D’Aosta strömt nicht nur der Geruch von Fisch, Kräutern und Geräuchertem, sondern auch immer wieder ein herzhaftes Gelächter. Doch auch außerhalb der Altstadt von Grado erlebt der aufmerksame Besucher eine Besonderheit: die Strände von Grado sind ausnahmslos nach Süden ausgerichtet – ein Unikum an der Adria. Beste Bedingungen also für einen sonnenverwöhnten Badeurlaub an den Gestaden des Lagunenstädtchens. Diese punkten vor allem durch ihre flachen Sandstrände, die ideal für kleine Wasserliebhaber sind. Überall laden kleine Spielplätze mit Schaukeln und Rutschen zum Toben ein, der Wasserthermalpark am Hauptstrand bietet besten Wasserspielspaß und abends spielen die Kinder auf der Piazza, während ihre Eltern in aller Ruhe die Köstlichkeiten der italienischen Küche genießen – das ist dolce vita à la Grado!

Gastautor: Daniela Fehrenbacher