Barrierefreie Städtereiseziele

Barrierefrei in den Urlaub

The Access City Award als Geheimtipp für Urlauber mit Handicap

Wer körperlich eingeschränkt ist, tut sich auch in Zeiten von Inklusion noch schwer, interessante UND barrierefreie Reiseziele zu finden. Mit der Initiative „The Access City Award“ möchte die EU Anreize schaffen, dass urbaner Raum barrierefreier wird. Seit 2010 lobt sie daher den Access City Award aus und hat damit großen Erfolg. Denn immerhin haben sich inzwischen mehr als 250 europäische Stadt mit über 50.000 Einwohnern um die begehrte Auszeichnung beworben. Darunter sind auch tolle Geheimtipps für Urlauber mit Handicap zu finden.

Access City Award 2011: Hürdefrei durch Avila

Trotz mittelalterlicher Stadtstruktur, meterdicken historischen Stadtmauern und der Lage auf einer kleinen Anhöhe hat es die 60.000 Einwohner-Stadt Avila im Zentrum Spaniens auf Anhieb auf Platz 1 der ersten Access City Award-Verleihung 2011 geschafft – und das zu Recht! Denn Avila verfolgt in einem kommunalen Handlungsprogramm schon seit 2002 das Ziel, das gesamte Stadtgebiet barrierefrei zu gestalten. Dazu gehört nicht nur die Schaffung spezieller Zugänge zu den UNESCO Welterbestätten der Stadt, sondern auch behindertengerechte öffentliche Verkehrsmittel, Rollstuhlverleih, Informationen in Braille- und Großschrift, Stadtführungen für Behinderte und barrierefreie touristische Unterkünfte.

Access City Award 2012: Barrierefrei in Salzburg unterwegs

Die Mozart-Stadt zu Füßen der mächtigen Burg hat es im zweiten Award-Jahr aufs Siegertreppchen geschafft. Verantwortlich dafür sind einerseits die fast flächendeckenden barrierefreien Zugänge zu Kirchen, Sehenswürdigkeiten, öffentlichen Einrichtungen, Restaurants und Hotels. Andererseits bemüht sich die Musikstadt, die behindertengerechten touristischen Angebote in einem virtuellen Stadtführer für jedermann verfügbar zu machen. Dank eines speziellen Stadtplans finden sich Menschen mit Handicap hier schnell im Stadtgeschehen zurecht und haben vom WC über das Restaurant bis hin zur geführten Rolli-Tour alle barrierefreien Orte Salzburgs auf einen Blick parat.

Access City Award 2013: Stolperfrei durch Berlin

Die deutsche Hauptstadt arbeitet schon seit einigen Jahren mit einem stadteigenen Prüfsignet für Barrierefreiheit. Das schafft die nötigen Anreize, dass sich auch private Akteure um das Siegel bewerben. Schritt für Schritt wird auf diese Weise das Angebot für Reisende mit eingeschränkter Mobilität nachhaltig erweitert. Dazu gehört nicht nur die Barrierefreiheit der öffentlichen Verkehrsmittel in Berlin, sondern vor allem auch der Sehenswürdigkeiten und der Freizeitangebote. Berlin hat es sich zum Ziel gesetzt, alle Alltagsbereiche stolperfrei zu gestalten – das hilft auch Reisenden, die ihren Urlaub mit Rollstuhl in Berlin planen. Dabei reicht die Teilhabemöglichkeiten vom Kino mit Angeboten für Gehörlose und hörbehinderte Menschen über einen Rollstuhlpannendienst bis hin zu entsprechenden Stadtführungen.

An diesen Beispielen wurde deutlich: Menschen mit Handicap erleben schon in ihrem Alltag oftmals unüberwindbare Hürden. Umso schwieriger ist es für sie, sich auf fremden Terrain während einer Städtereise erfolgreich zurechtzufinden. Damit das Reisen in Zukunft keine Frage der persönlichen Fähigkeiten mehr ist, setzt sich auch der Access City Award jedes Jahr ein wenig höhere Ziele.

The Access City Award als Geheimtipp für Urlauber mit Handicap

Barrierefreiheit ist Grundlage dafür, dass Menschen mit Behinderung reisen und damit fremde Orte, Kulturen und Menschen erleben können. Mit der Auszeichnung Access City Award setzt die EU nun schon seit 2010 neue Maßstäbe in Sachen Inklusion. Denn hier wird kommunales Engagement prämiert, das beispielhaft für ein gleichberechtigtes und chancengleiches Miteinander in Europa steht. In Teil II werden drei Gewinner vorgestellt, die zeigen, wie barrierefreies Reisen in Zukunft aussehen kann:

Access City Award 2014: Grenzenlos genießen in Göteborg

„A city for everyone!“ so heißt das Motto der schwedischen Hafenstadt Göteborg. Und tatsächlich: Wer auf die Homepage der Stadt schaut, entdeckt hier neben Samisch und Englisch auch die Zeichensprache und einen Vorlesedienst. Auf der Webseite des Touristbüros werden hingegen alle Angebote für Menschen mit Behinderung vorgestellt. Dabei reicht das Spektrum von behindertengerechten Schwimmplätzen in den Schären über öffentliche Toiletten bis hin zur telefonischen Hilfestellung durch das Contact Center der Stadt. Aber auch ein Reparatur- und Pannendienst für Rollstühle ist Teil des zukunftsorientierten Accessibility-Programms der Stadt Göteborg.

Access City Award 2015: Borås hindernisfrei erkunden

Schon seit den 1990er engagiert sich die kleine Kommune östlich von Göteborg für ein chancengleiches Miteinander der Menschen. Daher ist hier Barrierefreiheit in Bus, Bahn und Straßenverkehr genauso selbstverständlich, wie in Bibliothek, Theater, Kino, Museum und im Zoo. Rund 230 Geschäfte, Restaurant uns Einrichtungen sind in Borås inzwischen barrierefrei. Das Besondere ist jedoch: Alle Orte, die in der Stadt barrierefrei sind, werden in einer Borås  Accessibility-Datenbank fotografisch erfasst. Das heißt, Besucher können sich im Internet Fotos von der baulichen Situation vor Ort anschauen und dann entscheiden, ob sie den Ort aufsuchen oder nicht.

Access City Award 2016: Meilen- statt Stolpersteine in Mailand entdecken

Das größte Wirtschaftszentrum Italiens ist gleichzeitig auch Italiens Nr. 1 in Bezug auf Inklusion und Teilhabe. So sind hier nicht nur die öffentlichen Verkehrsmittel, Einrichtungen und Museen barrierefrei, sondern sie verfolgen in ihrem Design auch den Anspruch, Produkte und Räume so zu gestalten, dass sie von möglichst vielen Menschen mit unterschiedlichsten Ausgangspositionen gleichberechtigt genutzt werden können. Für Menschen mit Behinderung stellt die Stadt Mailand zudem sechs verschiedene Stadtrundgänge vor und hält außerdem Informationen zu barrierefreien Orten im Stadtgebiet bereit.

Access City Award 2017?

Man darf gespannt sein, wer den Access City Award 2017 gewinnt. Mit Wiesbaden, Düsseldorf, Marburg an der Lahn und Dresden haben es in den vergangenen sechs Jahren immerhin schon vier Städte aus Deutschland auf Platz 2 der Nominierungsliste geschafft.

Gastautor: Daniela Fehrenbacher