Der Neusiedler See in Österreich

Sommer, Sonne, Steppenflair – Urlaub in Europas Savanne

Segeln auf dem NeusiedlerseeWo im Sommer bis zu 45 °C im Schatten herrschen, sich kilometerlange Schilfgürtel sanft im Wind wiegen und die Wasserbüffel träge durchs seichte Nass waten, da müssen Urlauber nicht zu weit entfernten Kontinenten fliegen, sondern ab Bayern lediglich rund 400 Kilometer weit reisen. Als einer der letzten Steppenseen Europas präsentiert sich der Neusiedler See zwar von einer recht ursprünglichen Seite, doch birgt die Grenzregion zwischen Österreich und Ungarn auch eine ungewöhnlich reiche Kulturgeschichte. Urlauber genießen im Süden Wiens daher nicht nur Erholung inmitten einer bemerkenswerten Naturlandschaft, sondern erhalten hier auch tiefe Einblicke in die von renommierten Adelsgeschlechtern geprägte Geschichte der Region.

Nationalpark Seewinkel – Ein Besuch bei den Wasserbüffeln

Obwohl der südliche Teil des insgesamt 285 Quadratkilometer umfassenden Gewässers auf ungarischem Staatsgebiet liegt, bildet der Neusiedler See den größten See Österreichs. Mit einer durchschnittlichen Wassertiefe von knapp einem Meter ist er nicht nur bevorzugter Lebensraum für zahlreiche Wasservögel, Amphibien, Reptilien und Fische, sondern auch ein Biotop für Europas Wasserbüffel. Mit ihren geschwungenen Langhörnern grasen sie bedächtig durch das Schilf und tragen mit dazu bei, dass das zweitgrößte zusammenhängende Schilfgebiet Europas nicht verlandet. Eine besondere naturräumliche Erscheinungsform bilden im Neusiedler See die Lacken. Diese von der Würm-Eiszeit geprägten Gewässermulden trocknen im Sommer fast aus und hinterlassen eine feine Salzschicht, in welcher eine facettenreiche Flora und Fauna eine Heimat gefunden hat. Neben Salzpfannen, Schilfdschungeln, Niedermooren und Sumpfgebieten hält der Nationalpark Seewinkel aber auch ein 25 Kilometer langes Sandgebiet bereit, das besonders in den heißen Sommermonaten ein wüstenähnliches Klima aufweist. Aufgrund seiner geringen Wassertiefe und auch infolge der strengen Wintertemperaturen von bis zu -20 °C friert der Neusiedler See im Winterhalbjahr auch gerne zu. Dann treffen sich hier Eisläufer und Flaneure, um die glitzernde Eislandschaft zu genießen.

Kultur und Geschichte an den Ufern des Neusiedler Sees

Seebadweg, Storchenweg, Festspielweg, Weinweg und Zigeunerbaronweg, die Namen der Themenwander- und Radwege rund um den See lassen die kulturelle Vielfalt der Region schon erahnen. Seinen Namen erhielt der Neusiedler See durch Siedler aus Süddeutschland, die hier nach den Mongolenkriegen im 13. Jahrhundert neu siedelten und mit viel Geschick die feuchte Sumpflandschaft in fruchtbaren Ackerboden umwandelten. Neben Viehhaltung und Ackerbau bildete auch die Fischerei eine wichtige Einnahmequelle der Neusiedler. Heute präsentiert sich die lediglich rund 7.000 Einwohner umfassende Hauptstadt des Seewinkels von eher beschaulicher Seite und hat sich dennoch als Wein- und Passionsfestspielstadt auch international einen Namen gemacht. Dank der direkten Lage am See befindet sich hier zudem das touristische Zentrum der Region. Am Westufer des Neusiedler Sees erstreckt sich zudem die Gemeinde Rust, die vor allem für ihre Storchenwiese bekannt ist. Hier machen jedes Frühjahr mehrere dutzend Storchenpaare Rast, um ihre Jungen aufzuziehen. Eng mit der Seeregion verbunden ist zudem der Name des Fürstenhauses Esterházy. Das aus Ungarn stammende Adelsgeschlecht zählt heute nicht nur zum europäischen Hochadel, sondern hat seinen Ursprung auch hier im Burgenland. Einst kleinadlige Landbesitzer gelang den Esterházys dank diplomatischen Geschicks, wirtschaftspolitischer Weitsicht und militärischer Stärke in nur wenigen Jahrzehnten der Aufstieg in den Fürstenstand. Allein die Vielzahl an Schlössern und Burgen, die im 17. Jahrhundert rund um den Neusiedler See durch die Esterházys errichtet wurden, ist lang: Vom Stammsitz Schloss Esterházy in Eisenstadt über die wehrhaften Burgen Forchtenstein und Lockenhaus bis hin den imposanten Schlössern Kobersdorf, Lackenbach und Esterháza, die Familie Esterházy prägte auch in Bezug auf ihre Weinbauerfolge und ihr Mäzenatentum die Grenzregion jahrhundertelang. So förderten die Esterházys nicht nur Franz Liszt, den Sohn ihres Gutsverwalters, sondern auch Joseph Haydn und Franz Schubert. Ihren Kompositionen können Besucher zum Beispiel bei den berühmten Passionsfestspielen im Steinbruch von St. Margarethen lauschen.

Gastautor: Daniela Fehrenbacher