„Einmal Würzburg süß-sauer, bitte!“

Ein Besuch in Unterfrankens sinnlicher Hauptstadt

Würzburg, AltstadtWer den Blick vom Festungshügel Marienbergs über die in einer weiten, runden Talsenke gelegenen Stadt Würzburg schweifen lässt, der wird unweigerlich an eine Art Suppenteller erinnert. Da spicken ocker- und rotfarbene Dächer den Eintopf, dazwischen tanzen die grünen Petersilienbüschel des ehemaligen Stadtwalls während in der Mitte der reich verzierte Barockbogen der Würzburger Residenz den Suppenlöffel zum Eintauchen einlädt. Eingerahmt von den saftig grünen Rebhängen am äußersten Tellerrand entsteht eine derart appetitliche Stadtansicht, dass Besucher nicht lange warten, um von der Festung Marienberg über die Alte Mainbrücke in die Weinstuben der Altstadt zu spazieren. Während sie dabei von Karl dem Großen, Vater Pippin und anderen Granden des mittelalterlichen Würzburgs ehrenvoll auf den Brückenbalustraden begrüßt werden, verinnerlichen sie nur allzu gerne den sinnlichen Slogan der Mainstadt: „Welterbe. Weingenuss. Wohlgefühl.“

Wohlfühlstadt für Genussmenschen

Obwohl Würzburg im 8. Jahrhundert auch schon einmal als Herbopolis (Kräuterstadt) bekannt war, geht der Name der 125.000 Einwohnerstadt nicht auf eine rege Vergangenheit als Gewürzhandelsstadt zurück. Vielmehr wurde der Siedlungsfleck einst von Virtius, einem Keltenhäuptling, gegründet. Die Aussprache von „Virteburch“, Burg des Virtius, verändert sich im Laufe der Jahrhunderte zu Wirzburg. Heute durchstreifen Stadtbesucher auf nur wenigen Quadratkilometern die gesamte Geschichte Europas. Da führt der Weg vorbei an der von wehmütigen Liebesenttäuschten aufgesuchten Grabstelle Walthers von der Vogelweide, die hier für eine letzte Liebeschance beten, und macht Halt im würzig duftenden Herzen der Residenzstadt, dem Marktplatz. Flankiert von verspielten Rokoko-, linearen Neubau- und wuchtigen Gotik-Fassaden findet der aufmerksame Stadtbesucher hier alle wichtigen Zutaten für den Würzburger Eintopf. Dieser kommt mal als Fränkische Hochzeitssuppe mit Schwimmerle, mal als Gretelsuppe aus Schlachtresten oder auch gerne einmal als Leiterle im Wurzelwerk, einem deftigen Eintopf aus Knochenkarkasse, daher. Dazu ein Glas Silvaner aus der typischen Bauchflasche und der Genusstag in Würzburg ist perfekt.

Weinstadt mit Tradition

Auch abseits vom vollmundigen Gaumenschmaus lässt sich die Welterbestadt auf sinnliche Art erleben. Dazu müssen Gäste jedoch den Blick über den Würzburger Tellerrand wagen. Denn rund um die dampfende Talsenke ziehen sich die besten Würzburger Weinlagen, die vom besonderen Mikroklima der Würzburger Mainsenke profitieren. So gedeihen zu Füßen der Marienfeste Müller-Thurgau und Riesling, während der nördliche Tellerrand beste Bedingungen für Traminer und Scheurebe bietet und im Osten der Greinberg zur Heimat des Würzburger Silvaners wurde. Vom Weingut Juliusspital über das Weingut Bürgerspital bis hin zum renommierten Staatlichen Hofkeller, der Stein-Wein-Pfad führt als Themenwanderweg über rund 4 Kilometer zu den bekanntesten Würzburger Weinlagen.

Welterbestätte mit gemütlichem Charme

Als imposant auf einer Bergzunge gelegenes Wahrzeichen der Residenzstadt grüßt die Festung Marienberg schon weithin. Von hier oben lässt sich nicht nur das schönste Panorama über die Altstadt von Würzburg genießen, sondern im hier untergebrachten Mainfränkischen- und Fürstenbaumuseum auch den Blick tief in die Stadtgeschichte eintauchen. Gleich nebenan betreten Burggäste in der 706 errichteten Marienkirche sowohl die älteste Kirche der Stadt als auch die Grabstätte von rund 20 Fürstbischöfen. Den Titel des UNESCO Weltkulturerbes trägt hingegen die am Rande der mittelalterlichen Altstadt errichtete Würzburger Residenz. Auf Augenhöhe mit Versailles in Paris und Schönbrunn in Wien bildet die Residenz mit ihrer weitläufigen Parkanlage ein bedeutendes Architekturzeugnis des spätbarocken Absolutismus. 1778 fertiggestellt, war sie ab 1779 Sitz der Würzburger Fürstbischöfe. Erst im Zuge der territorialen Neuordnungen nach dem Wiener Kongress 1815 gelangte das Schlossensemble in weltlichen Besitz und bildet seither den Besuchermagnet der Residenzstadt.

Gastautor: Daniela Fehrenbacher