Die Île-Grande – Die Grande Dame der Côte de Granit Rose

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Von der steten Atlantikbrise zerzaust, scheinen sich die Wildkiefern rund um den „Inselgipfel“, die Allée couverte, vor den Besuchern leicht zu verneigen. Dahinter schimmert der Atlantik in tiefstem Blau, während die Festlandküste in sanften Rosatönen leuchtet und sich die umliegenden, grünen Weiden in den Schutz von dichten Heckenrosen ducken. Wer den „Gipfel“ der Île-Grande erwandert, der wird mit einem herrlichen Panorama über die Insel, die Festlandküste von Lannion und das Meer belohnt. Doch neben all ihrer landschaftlichen Schönheit birgt die größte Insel der Rosa Granitküste auch noch so manch andere Überraschung.

Ein außergewöhnlicher Naturraum

Nur die Gezeiten des Atlantiks sorgen alle sechs Stunden dafür, dass die größte Insel der Küste des Rosafarbenen Granit auch wirklich zur Insel wird. Dazwischen verbindet der Meeresboden mit seinen Prielen, Muscheln und rosafarbenen Grantiblöcken die Île-Grande mit dem bretonischen Festland. Als einziger Zugang zur „Großen Insel“ dient eine kleine Steinbrücke, die auf zehn Metern Länge über den Hauptpriel des insularen Watts führt. Misst die Île-Grande während der Flut eine Fläche von etwa 300 Hektar, so vergrößert sie sich zur Ebbe um das Doppelte. Dann gehen nicht nur Papageientaucher, Basstölpel und Möwen auf Wattwurmsuche, sondern auch Urlauber machen sich dann auf, um den Boden des Atlantiks nach Jakobsmuscheln und Treibgut abzugrasen. Wissenswertes über die Flora und Fauna der Insel und der bretonischen Nordküste vermittelt das Vogelschutzzentrum der LPO, das sich im Inselnorden direkt am Meer erstreckt. Wer dem Inselrundweg folgt, der kommt nicht nur hier vorbei, sondern passiert auch einsame Sandbuchten, die beiden Hauptbadestrände im Süd- und Nordosten der Insel, tosende Felsennischen und bizarre Felsformationen. Insbesondere in den Abendstunden scheinen sich die von Wasser und Wind geformten Steine in drohende Drachen, schleichende Schildkröten oder fliegende Pferde zu verwandeln. Mit ein wenig Fantasie wähnt sich dann so mancher Spaziergänger auch in längst vergangene Zeiten zurückversetzt, als hier noch die Kelten und Gallier das Land beherrschten.

Auf den Spuren von Asterix und Obelix: Kulturlandschaft seit Jahrtausenden

Mit ihren steinernen Fischerhäuschen und wippenden Fischerbooten im Hafen bildet die Île-Grande nicht nur eine bretonische Postkartenidylle, sondern hier lässt es sich auch auf den Spuren der wechselvollen bretonischen Geschichte wandeln. So weisen schon auf dem Weg zur Insel immer wieder Schilder auf die zahlreichen Megalithanlagen der Region hin. Diese wurden einst vor mehr als 10.000 Jahren als Grab- und Kultplätze von Kelten und Galliern angelegt und beeindrucken bis heute durch ihre wuchtige Imposanz. Auch auf dem höchsten Punkt der Île-Grande errichteten die Vorfahren der Bretonen eine sogenannte „Allée couverte“, ein Galeriegrab mit schwerem Steindeckel. Wer denkt beim Anblick der 10 noch erhaltenen Hinkelsteine nicht unweigerlich an den wackeren Obelix und dessen Vorliebe für konische Felsblöcke? Bis heute ist dieses prähistorische Zeugnis auf der Île-Grande bestens erhalten und gehört mit einer Länge von knapp zehn Metern zudem zu den größeren der Region.

Hervorragender Ausgangspunkt für Ausflüge

Als malerisches Hafenstädtchen bildet Lannion zwar die Hauptstadt der Region, doch rund um Perros-Guirec befinden sich mit dem Leuchtturm von Ploumanac’h, dem Oratorium St. Guirec und der Felsenkrone des Königs Gradlon bei Trégastel die wohl bizarrsten Felsenbilder der Côte de Granit Rose. Entlang der mehr als 70 Kilometer langen Küste des Rosa Granit führt zudem ein Abschnitt des GR 34, des ehemaligen bretonischen Zöllnerpfades. Als historischer Wanderpfad verbindet er die beiden Hafenstädte Saint-Brieuc und Roscoff miteinander und passiert dabei nicht nur die sehenswerte Korsaren-Stadt Saint-Malo, das liebliche Seebad Dinard und das sagenumwobene Cap Fréhel, sondern auch die malerische Île-Grande.

Gastautor: Daniela Fehrenbacher