Timanfaya: Der Zauber der Montañas del Fuego

Lanzarote - Timanfaya Nationalpark

Lanzarote – Timanfaya Nationalpark

Nur sechs Meter unter der Erdoberfläche dampft und brodelt es so stark, dass Feuerzungen aus der Erde lecken und Gießwasser mit einem lauten Zischen wieder senkrecht nach oben schießt – was sich anhört, wie eine Stippvisite in Mordor, bildet auf der Kanareninsel Lanzarote die Hauptattraktion: der 51 qkm große Nationalpark Timanfaya. Schon 1974 zum nationalen Schutzgebiet erklärt, erleben Besucher hier hautnah, was Vulkanismus bedeutet und welche Auswirkungen er hat. Nicht nur für Naturliebhaber ein ganz besonderer Ort.

In den Feuerbergen Lanzarotes 

Die Landschaft in den „Feuerbergen“ von Lanzarote sieht aus, als ob erst gestern der letzte Vulkanausbruch hier stattgefunden hätte. Dabei liegt die Entstehung der von roten, schwarz-braun bis ocker leuchtenden Lavafelsen geprägten Vulkanlandschaft immerhin schon mehrere Jahrhunderte zurück. So brach der erste Vulkan im seismisch hochsensiblen Hochland von Lanzarote schon am 1. September 1730 aus. Der örtliche Pfarrer notierte damals:

„[…] der Lavastrom ergoss sich über Timanfaya, Rodeo und einen Teil von Mancha Blanca. Die Lava floss nach Norden, anfangs wie sprudelndes Wasser, später zähflüssig wie Honig. Doch am 7. September stieg mit unheilvollem Donnern ein riesiger Fels aus der Tiefe und zwang die Lava dazu, ihren Fluss nach Westen und Nordwesten zu wenden. Dort zerstörte sie die Orte Maretas und Santa Catalina.“

Erst sechs Jahre später, am 16. April 1736, kam die Erde hier wieder zur Ruhe, sammelte über ein Jahrhundert neue Kräfte und brach sich schließlich am 31. Juli 1824 noch einmal mit voller Wucht Bahn. Das Dorf Mancha Blanca blieb auch dieses Mal nur knapp von den glühenden Lavaströmen verschont. In einem dorfeigenen Feiertag ehren die Einwohner von Mancha Blanca seither die Muttergottes Maria, welche der Sage nach die Lavaströme einst zum Erstarren brachte. Zudem zeugen rund um den Ort noch heute zahlreiche „Bocas“ (Münder) von der unglaublichen Menge an Lava, die hier einst aus dem Erdboden strömte, die Erdoberfläche überschwemmte und schließlich im Atlantik erstarrte.

Durch das Malpais zum Timanfaya

Tiefschwarze Lava wohin das Auge blickt. Dahinter türmen sich die braun bis rostrot schimmernden Flanken der Feuerberge dramatisch auf. Rund 30 Kegel, darunter der auf 510 Höhenmeter ansteigende Namensgeber des Gebiets, der Timanfaya Vulkan, bilden das Zentrum des Lavameeres. Seine Kargheit und Lebensfeindlichkeit hat ihm auch den Beinamen „Malpais“, schlechtes Land, eingebracht. Wer auf der LZ 67 unterwegs ist, quert diese faszinierende Einöde und gelangt schließlich in ein Stück Afrika mitten im Atlantischen Ozean: die Timanfaya Dromedarstation. Wo kein Gras wächst und Wasser eine Kostbarkeit darstellt, da kamen auf den Feldern weder Kühe noch Pferde zum Einsatz, sondern Dromedare. Heute bewegen die Dromedare zwar keine Pflüge und Karren mehr, dafür werden sie im Dörfchen Uga jedoch für den sanften Tourismus gezüchtet. Ein Ritt durch die Halbwüste des Timanfaya auf dem Rücken der Dromedare ist ein Erlebnis für groß und klein. Wer in den späten Nachmittagsstunden von Uga in Richtung Timanfaya blickt, kommt zudem in den Genuss, die fast schon surreal anmutende Karawane der heimkehrenden Dromedare über die Lavahügel ziehen zu sehen. Doch auch im Nationalpark selbst erwartet die Besucher eine fast unwirkliche Szenerie. Lesen Sie mehr darüber in Teil II der Artikelserie „Timanfaya: Der Zauber der Montañas del Fuego“.

Wer den Timanfaya Nationalpark besucht, wird vom Feuerteufelchen begrüßt. Mit seinem fünfzackigen Speer fuchtelnd, heißt es die Besucher am Parkeingang willkommen. Das vom berühmtesten Sohn Lanzarotes, dem Architekten und Künstler César Manrique, entworfene Maskottchen des Nationalparks grinst dabei schelmisch – nicht ungewollt. Denn wer sich hinein ins heiße Herz Lanzarotes wagt, der muss mit so manchen Überraschungen rechnen.

Steaks frisch vom Vulkan, dazu Beethoven

Nach Bezahlen des Eintritts führt die Straße direkt zum Islote de Hilario, einem kegelrunden Vulkanhügel. Auf ihm thront weithin sichtbar das Restaurante del Diablo, das Teufelsrestaurant. Ebenfalls von Manrique entworfen, fällt das Aussichtsrestaurant vor allem durch seinen markanten Rundbau mit riesigen Panoramafenstern auf. Im Inneren wird die enorme Erdhitze dazu genutzt, um Steaks vor den Augen der Besucher auf einem großen Schlot zu grillen. Während drinnen die Gluthitze zum Kochen genutzt wird, demonstrieren vor dem Restaurant Parkranger eindrucksvoll, wie heiß es nur wenige Meter unter den eigenen Füßen ist. Dazu werfen sie Äste und Reisig in Erdspalten, die nur wenige Sekunden später in Flammen aufgehen, oder gießen Wasser in dampfende Erdlöcher, das sofort mit einem lauten Zischen in die Höhe schießt und sekundenschnell verdampft. Das eigentliche Highlight des Timanfaya-Besuchs bildet jedoch die Bustour auf der „Ruta de los vulcanos“.

Von der „Ruta de los vulcanos“ zur Inseloase Haria

45 Minuten dauert die Busfahrt auf der 14 Kilometer langen Vulkanroute. Sie erschließt die Höhepunkte des Nationalparks und sorgt zudem dafür, dass die Nationalparkbesucher auf den vorgegebenen Wegen bleiben. Eine individuelle Fahrt auf der Ruta de los vulcanos ist daher nicht möglich. Dafür ist die Tour im Bus schon im Eintrittspreis inbegriffen. Es sind vor allem die weiten, bis zu 100 Meter messenden, kreisrunden Calderas, die glutheißen „Hornitas“ (Öfchen) und die weit geöffneten Bocas, welche dem Timanfaya sein eigentümliches Gesicht verleihen. Doch als ob die Aussicht auf diese kargen Geröllhalden, sanft geschwungene rote Vulkanrücken und eigentümlich glitzernden Lavablasen an Dramatik nicht schon genügen würde, bekommt der aufmerksame Teilnehmer überdies noch Werke von Beethoven und Wagner zu hören – ein wahres Fest der Sinne! Eine weitere Möglichkeit, der Vulkanlandschaft im Timanfaya nicht nur hör- und sichtbar, sondern auch spürbar nahe zu kommen, bietet die Ruta de Tremesana, eine geführte Wandertour durch den Süden des Nationalparks. Startpunkt ist das Nationalpark-Besucherzentrum in Mancha Blancha, das in einer sehenswerten Dauerausstellung anschaulich den Vulkanismus auf Lanzarote erklärt. Während der kostenlosen Wanderung werden Krater, Lavatunnel und erstarrte Lavaseen aufgesucht. Dabei erfahren die Teilnehmer, wie viel Mühe es die Natur kostet, diesen lebensfeindlichen Raum erfolgreich wieder zurückzuerobern. Nach diesen vielfältigen Gesichtern der Ödnis, wirkt ein Besuch in der Oase von Haria wie ein Jungbrunnen auf das Auge. In einer weiten Senke gelegen, wird der authentischste Ort der Insel von den Quellen des Famaragebirges versorgt. Kein Wunder, dass die von großen Palmen geprägte Stadt nicht nur wie ein Garten Eden inmitten der Vulkaninsel anmutet, sondern auch ein wenig afrikanisches Flair versprüht. Genau das Richtige, um den eindrucksvollen Tag in der heißen Lavawelt Lanzarotes gemütlich ausklingen zu lassen.


Gastautor: Daniela Fehrenbacher

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