Zu Besuch in der „Stadt der 1.000 Fenster“ – Eine etwas andere Städtereise: Berat in Albanien

Berat, Albanien

Berat, Albanien

Berat, eine Stadt mit Charme in Albanien: Ihr Name verrät nichts über ihre besondere Architektur. Vielmehr weißt er auf die markanten weißen Hausfassaden hin, welche Berat, die „weiße Stadt“, mehrheitlich zieren. Vor dem tiefen Grün des Pinienwaldes am Osum-Ufer mutet das schon sehr südländisch an. Gleichzeitig liegt über Berat aber auch ein Hauch von Bauhaus-Flair. Und tatsächlich: die seit 2008 zu UNESCO Weltkulturerbe gehörende Festungsstadt zeichnet sich maßgeblich durch ihre breiten, weißen Fassaden aus, die von langen Fensterreihen durchbrochen werden und in sehr flachen Walmdächern ihren Abschluss finden. Der Gesamteindruck fasziniert. Kein Wunder, das Berat als Geheimtipp für all jene gilt, die auch den Individualistenreiseführer Lonely Planet im Regal stehen haben.

Authentizität, die aus der Vielfalt entstanden ist

Als Berat 2008 von der UNESCO zum Weltkulturerbe erhoben wurde, hatten die drei zentralen Stadtteile Mangalem, Gorica und Kalaja schon seit mehr als 50 Jahren den Status einer Museumsstadt inne. Dennoch war das architektonische Ensemble schon seit Jahren infolge von illegalen Bauaktivitäten stark bedroht. Durch den Beistand der UNESCO rückte die Einzigartigkeit des historischen Stadtkerns zunehmend auch wieder ins Bewusstsein der Einwohner und mit der Aufnahme in den Lonely Planet 2011 erlangte die Stadt am Fluss Osum schließlich auch international größere Aufmerksamkeit. Heute sind Touristen aus ganz Europa zwar keine Seltenheit mehr, dennoch hat sich Berat seine besondere Authentizität bewahrt, welche die UNESCO Kommission wie folgt umschreibt:

„Berat and Gjirokastra are inscribed as rare examples of an architectural character typical of the Ottoman period. Located in central Albania, Berat bears witness to the coexistence of various religious and cultural communities down the centuries.“

Berat, eine typisch ottomanische Stadt

Die Geschichte von Berat reicht zwar bis ins 4. Jahrhundert vor Christus zurück, doch weite Teile der drei historischen Stadtquartiere wurden zur Zeit des ottomanischen Reiches, also ab 1417 errichtet. Dabei bilden das sich den Bergrücken hinaufschmiegende Mangalem sowie die hoch gelegene Burgsiedlung Kalaja die ältesten Stadtteile, während Gorica jenseits des Flusses erst um 1700 gegründet wurde. Bemerkenswert ist die Tatsache, dass verschiedenste Religionen und Ethnien hier jahrhundertelang friedlich dicht an dicht zusammenlebten. Noch heute sind in Berat zahlreiche historische Kirchen, Tekken (Sufi-Zentrum) und Moscheen erhalten geblieben, unter denen die Helveti-Tekke, die Bleimoschee und das St.-Spyridon-Kloster die markantesten bilden. Vielleicht waren es genau diese multikulturellen Einflüsse, welche auch die Architektur von Berat derart einzigartig beeinflussten?

Ein beeindruckendes architektonisches Ensemble

Großzügig, licht, luftig und offen, so sollten die Wohnhäuser am Hang von Mangalem sein. Denn das Sonnenlicht sollte noch bis in die Abendstunden tief ins Haus vordringen können. Auf diese Weise konnten die Händler und Kaufleute das Tageslicht im engen und von hohen Bergflanken umkränzten Osum-Tal noch möglichst lange nutzen – auch wenn es in den Sommermonaten dann schon einmal ziemlich warm werden konnte. Vor der schwülen Sommerhitze spendeten jedoch die Innenhöfe und engen Gassen angenehm kühlen Schatten. Eng bebaut und dennoch großzügig und offen – mit diesem Erfolgsrezept inspiriert dieses einzigartige Beispiel ottomanischer Stadtarchitektur bis heute noch seine Besucher. Diese entdecken während ihrer Spaziergänge über jahrhundertealte Pflastergassen aber auch, dass der Fußgänger in Albanien immer Vorfahrt hat – zumindest in den Abendstunden. Denn wie überall in Albanien wird auch in Berat die Tradition des abendlichen Flanierens sehr hoch gehalten, sodass mancherorts sogar die Polizei dafür sorgt, dass die Flaneure ungehindert über Hauptverkehrsachsen schlendern können. Wunderbare Voraussetzungen, um den Tag am Ufer des Osums romantisch (und sehr authentisch) ausklingen zu lassen.

Gastautor: Daniela Fehrenbacher

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