Südtiroler Kurtradition: Wie Meran zu Südtirols Kurstadt Nr. 1 wurde

Meran - Südtirol

Meran – Südtirol

Eigentlich begann alles mit einem kleinen Mädchen, um dessen Gesundheit es nicht allzu gut bestellt war. Wir schreiben das Jahr 1870 und in Österreich residiert Kaiserin Sissi mit ihren drei Kindern Rudolph, Gisela und Marie Valerie in Schönbrunn. Doch die erst zweijährige Marie kränkelte sehr und litt vor allem unter dem kalt-nassen Winter in der Donaumetropole. Auf Anraten ihrer Ärzte sollte sich Marie Valerie im milden Reizklima Südtirols erholen und wieder zu Kräften kommen. Doch bevor der Hof auf Reisen gehen konnte, musste zunächst ein geeignetes Domizil gefunden werden. Wer sich daher heute auf die Spuren von Sissi begibt, der kommt am malerisch gelegenen Schloss Trauttmannsdorff hoch über Meran nicht vorbei.

Schloss Trauttmannsdorff: Inkognito mit der Kaiserin

Inmitten seines mediterranen Gartenparks kündet das um 1300 als Burg errichtete und 1543 zum Schloss erweiterte Anwesen schon weithin von der süßen Leichtigkeit des italienischen Südens: Da wachsen Zypressensäulen aus den grünen Steinterrassen und ockerfarbene Zinnen sowie zerzauste Palmenköpfe sorgen für einen Hauch von Orient. Vielleicht war es dieses südländische Dolce Vita, welche Sissi anzog. Vielleicht war es aber auch einfach der grandiose Weitblick über die Vier-Täler-Stadt Meran, welcher die Kaiserin derart verzückte, dass sie 1889 noch einmal einen Winter hier verbrachte. Sicher ist jedoch, dass die „inkognito“ und daher mit „kleinem“ Hofstaat reisende Hoheit immerhin noch mehr als 100 Bedienstete mit sich führte. Während diese in Nebengebäuden und in der Stadt Unterkunft fanden, wurde für Sissi und ihre beiden Töchter Gisela und Marie Valerie eigens die 1. Etage des Schlosses generalsaniert. Als die kaiserlichen Damen im Herbst 1870 dort einzogen, erstrahlten die kunstvoll geschnitzten Deckenkassetten in neuem Glanz und an den Wänden verströmten florale Seidentapeten mediterranes Flair. Mehr als sieben Monate genossen die drei kaiserlichen Damen das unbeschwerte Leben inmitten der Südtiroler Gipfelwelt derart, dass die kleine Marie Valerie schon nach wenigen Wochen vollständig genas. Die gute Kunde machte schnell die Runde bis ins ferne Wien, wo sich sogleich mehrere adlige Familien ebenfalls nach einem Wohnsitz in der nun international bekannten Alpenstadt umschauten. Während die kleine Marie Valerie damit Merans herausragenden Ruf als Kurstadt begründete, genoss ihre Mutter vor allem die Bewegung in der alpinen Natur.

Auf den Spuren von Sissi in Meran

Bei langen Spaziergängen rund um Meran und Wanderungen auf die umliegenden Almen erkundete die Kaiserin eingehend die Region und deren Wege. Mit ihrer Freude an der Bewegung inmitten der alpinen Natur machte Sissi nicht nur das Wandern salonfähig, sondern nahm auch die nur wenige Jahre später einsetzende Wanderbewegung schon vorweg. Das Wandern als Selbstzweck fand Ende des 20. Jahrhunderts in allen Gesellschaftsschichten große Verbreitung. Davon zeugen bis heute die Gründungsjahre der Wander- und Alpenvereine. Wie schon Sissi durchmaßen auch die Alpenvereine die Berge per pedes und konzipierten dabei Wanderwege, die bis heute Bestand haben. Auch auf Sissis Pfaden lässt sich heute noch das Meraner Land erkunden. Dafür sorgen Themenwege, wie die Sissi-Promenade oder der Sissi-Weg. Insbesondere letzterer gilt neben dem bekannten Tappeiner Weg als einer der schönsten Spazierwege Merans. Seinen Anfang nimmt er in der Altstadt und führt an herrschaftlichen Ansitzen und duftenden Weinbergen vorbei bis in die botanischen Schlossgärten. Wer ihn in den Sommermonaten sonntags begeht, der kommt auf der Sissi-Terrasse zudem in den Genuss des imperialen Sissi-Frühstücks: bei kaiserlichen Häppchen, Live-Orchestermusik und einer wundervollen Aussicht über die Kurstadt Meran lässt es sich hier genauso mondän in den Tag starten, wie es einst die kaiserliche Familie tat. Mehr zu den kaiserlichen Ferientagen auf Schloss Trauttmannsdorff und zur Tourismusgeschichte Südtirols vermittelt das im Schloss untergebrachte Fremdenverkehrsmuseum „Touriseum“.