Törggelen in Südtirol – Genussherbst auf italienische Art

Südtirol, Italien

Südtirol, Italien

Wenn zwischen Reschenpass und Etschtal der Duft von gebratenen Kastanien die Luft erfüllt, dann ist Törggelenzeit in Südtirol. Schon vor Jahrhunderten als alter Brauch der Weinbauern entstanden, bildet das Törggelen heute nicht nur den genussvollen Schluss der Südtiroler Erntezeit, sondern auch eine von Geselligkeit und Heimeligkeit geprägte lebendige Tradition. Doch was genau ist Törggelen eigentlich? Wie ist das Brauchtum entstanden? Und wo lässt es sich in Südtirol am besten diese alte Tradition erleben?

Das Törggelen – Ein Brauch aus Dankbarkeit entstanden

Südtiroler Törggelen-Brotzeit

Südtiroler Törggelen-Brotzeit

Einst waren es nur wenige Weinbauern, die an den sonnigen Südhängen des Eisacktals die ersten Reben pflanzten und dank des von Mittelmeer beeinflussten, milden Mikroklimas schnell Erfolg mit dem Weinbau hatten. Heute zählen Südtiroler Weinlagen zu den besten der Welt und Tropfen, wie der Lagrein oder der Vernatsch, haben hier ihre Heimat. Da die Weinbauern in früheren Zeiten noch eigenes Vieh hatten, gingen sie mit den Bergbauern auf den Hochalmen einen Handel ein: Wenn diese ihre Rinder im Frühjahr auf die Almen mitnehmen und im Herbst wieder herunterbringen, dann erhalten sie als Dank ein festliches Mahl mit dem süßen Nuier, dem neuen Wein. Da sowohl die Weinlese als auch der alpine Almabtrieb in die Zeit Ende September/Anfang Oktober fielen, entstand daraus bald der Brauch des Törggelens. Dabei trafen sich Almbauern und Winzer in der Weinkelter, der Torggel, um den neuen Wein mit Frischem aus der Saison zu verkosten. Man ging nun also „törggelen“.

Wie man richtig törggelen geht

Um dem geselligen Treiben gerecht zu werden, richteten immer mehr Winzerhöfe kleine Ausschänke ein, die als Buschenschänke bekannt wurden. Nicht selten absolvierten die Bergbauern über Tage hinweg wahre Wanderungen, um einen Buschenschank nach dem anderen zu besuchen. Bald wurde daraus die Törggele-Wanderung, die bis heute ein beliebter Brauch ist und in Form von Törggele-Wegen die Buschenschänken der Region miteinander verbinden. Wer also heute Törggelen geht, der wandelt wahrlich auf historischen Pfaden.

Spezialitäten der Südtiroler Törggelenküche

Alles, was im Herbst frisch auf den Tisch kam, findet sich bis heute auch in der Törggelenküche wieder: Von Kastanien über neuen Almkäse bis hin zu Deftigem von den frisch geschlachteten Bergrindern. Als besondere Köstlichkeiten gelten die Fiselinsupp, eine Suppe aus Keschtn (Kastanien) und Bohnen, die Gerstesupp (Eintopf mit Graupen) sowie Schlutzkrapfen (gefüllte Teigtaschen). Dazu wird frisches Bauernbrot gereicht. Zur Schlachtplatte mit Surfleisch, Kaminwurzn (Landjäger), Rippelen, Speck, Würstchen und Innereien kommen hingegen Sauerkraut und Speckknödel auf den Tisch. Dazu ein Glas Siaßer (Most) oder Nuier (Suser), einige süße Krapfen oder geröstete Kastanien sowie unterhaltsame Stubenmusik und der Törggele-Abend im Buschenschank ist perfekt.

Törggele-Tipps für Südtirol

Wer nun Lust bekommen hat, den Genussherbst einmal auf Südtiroler Art zu erleben, der reist zum Beispiel auf den Ritten. Als Hochplateau von der Herbstsonne verwöhnt, laden hier zahlreiche Buschenschänke entlang des Törggelenwegs zur Einkehr ein. Aber auch zu Füßen des Rittens eröffnet der Keschtnweg durchs Eisacktal vielfältige Möglichkeiten der Einkehr in den Hofschänken. Als einer der bekanntesten Törggelenwege gilt zudem der Oachener Höfeweg, der nicht nur durch lichte Kastanienhaine und aussichtsreiche Weinberge führt, sondern auch zu den örtlichen Buschenschänken. Mit leckeren Törggelenspezialitäten wartet aber auch der Buschenschank des Jahres 2015 auf, der Fronthof in Völs am Schlern. Als „Bäuerlicher Schankbetrieb des Jahres 2014/15“ geht seine Schanktradition bis ins Jahr 1379 zurück. Sowohl das historische Ambiente als auch die leckeren selbstgemachten Hofspezialitäten machen die Einkehr auf dem Fronthof zu einem besonderen Erlebnis.

Gastautor: Daniela Fehrenbacher