Schloss Arenenberg – Refugium der Bonapartes am Lac de Constance

Schloß Arenenberg

Napoleonmuseum Schloß Arenenberg (Bildnachweis: Napoleonmuseum Thurgau)

Auf einem sonnigen Hochplateau rund 50 Meter über dem Bodensee erhebt sich das kleine Schloss Arenenberg und verwöhnt seine Besucher mit einem unvergleichlichen Weitblick über den Untersee, die Insel Reichenau bis hinüber zu den Vulkankegeln des Hegaus. „Eine Landschaft wie ein Kunstwerk“ so präsentiert sich nicht nur das Schlossensemble, sondern auch der umliegende Schlosspark. Als Landschaftspark im frühen 19. Jahrhundert angelegt, bildet er wohl eine der schönsten Aussichtsterrassen am Bodensee. Kein Wunder also, dass sich hier in den vergangenen 300 Jahren gekrönte Häupter, einflussreiche Adlige und weltbekannte Künstler die Klinke in die Hand gaben. Dennoch ist das malerische Schloss im Schweizer Kanton Thurgau wenig bekannt.

Vom „Narrenberg“ zum Adelssitz

Wahrscheinlich hatte jener Bauer, der sich hier im ausgehenden Mittelalter eine Hofstelle errichtete, weniger das grandiose Seepanorama im Blickwinkel, als die sonnige Hanglage am Südufer des Untersees. Dennoch nannte er seine Hofstelle „Narrenberg“ und nahm sich damit vielleicht auch ein wenig selbst auf die Schippe. Dass er weniger ein Narr als vielmehr ein weitsichtiger Landwirt war, das beweisen die umliegenden Weinberge. Bis heute gedeihen an den fruchtbaren Flanken des Schweizer Seerückens einige der edelsten Tropfen des Thurgaus und machen die Gemeinde Salenstein unter Önologen zu einem kleinen Geheimtipp. Doch zurück zum Narrenberg: Dieser wurde Anfang des 16. Jahrhunderts an den Bürgermeister der nahen Handelsstadt Konstanz verkauft. Was zunächst als Sommerhaus diente, entwickelte sich schon bald zu einem prosperierenden Gut, das schließlich unter der Familie von Schwarach zum Freisitz erhoben wurde. Doch erst die von Strengs errichteten hier im 18. Jahrhundert jenes Schloss, das bis heute die Postkartenidylle der Region bereichert. Angesichts der neuen Nutzung als repräsentabler Sommersitz des Schweizer Hochadels sollte das Anwesen daher schon bald den historischen Namen „Narrenberg“ ablegen und dafür den respektableren Namen „Arenberg“ oder auch „Arenaberg“ tragen.

Die Bonapartes und der Bodensee

Nach den Beschlüssen des Wiener Kongresses 1815 reiste Hortense de Beauharnais, die Stieftochter von Napoleon Bonaparte, ins Exil nach Konstanz. Denn schon damals dachte sie:

„Wenn schon Exil, habe ich mir, auf der Terrasse zwischen Schloß und Kapelle stehend, oft gedacht, dann würde ich mir Arenenberg als Exil gefallen lassen.[…]“

1817 erwarb sie schließlich das malerische Anwesen im Schweizer Kanton Thurgau. Als Mutter des späteren Kaisers Napoleon III. sowie als bekannte Mäzenin unterhielt Hortense vielfältige Verbindungen in die Politik und Kunstwelt ihrer Zeit. So überrascht es nicht, dass ihr landschaftlich reizvoll gelegenes Schloss schnell zu einem beliebten Treffpunkt des europäischen Hochadels avancierte. Auch ihr Bruder Eugène de Beauharnais zog es infolgedessen an den Untersee und er kaufte sich schon zwei Jahre später das benachbarte Gut Sandegg. Auf dessen Gütern ließ er sich schließlich ein eigenes Schloss, dass heute noch erhaltene und sich in Privatbesitz befindende Schloss Eugensberg, errichten. Die Familie Bonaparte bestimmte im 19. Jahrhundert maßgeblich das gesellschaftliche Leben in der Region, sodass hier auch gerne namhafte Persönlichkeiten, wie zum Beispiel Alexandre Dumas, Julie Récamier oder François-René, Vicomte de Chateaubriand, verweilten. Auch Kaiser Napoleon III., der hier einen Großteil seiner Kindheit verbracht hatte, blieb der Region zeit seines Lebens tief verbunden und weilte zuletzt 1865 auf Schloss Arenenberg. Seine Frau Eugénie schenkte das Anwesen schließlich 1906 dem Kanton Thurgau, der daraufhin das heutige Museum einrichtete.

Besuch im Napoleonmuseum im Schloss Arenenberg

Nicht nur die herrliche Aussichtslage machen den Besuch auf Schloss Arenenberg zu einem Erlebnis, sondern auch die in weiten Teilen erhalten gebliebene Einrichtung von Hortense de Beauharnais. Neben Vestibül, Wintergarten, Salon der Königin Hortense, Seesalon, Bibliothek, Speisesalon und historischer Klingelanlage bilden die Schlaf- und Arbeitszimmer von Hortense, Napoleon III. und seiner Frau Kaiserin Eugénie in der ersten Etage den Kern des Museums. Ein Abstecher lohnt sich aber auch in den Schlosspark, wo Eremitage, Schlosskapelle und Aussichtspavillon über einen Panoramarundweg erschlossen werden.

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Gastautor: Daniela Fehrenbacher