Naturpark Südschwarzwald: In der Heimat der heimlichen Weltmarktführer

Naturpark Südschwarzwald

Naturpark Südschwarzwald

Der Schwarzwald wird gemeinhin mit Kuckucksuhren, rauschenden Bächen und den rotbackigen Bollenhüten assoziiert. Doch im Dreieck Lörrach-Freiburg-Pforzheim zeichnen sich die Menschen auch durch viel Tüftler- und Entwicklergeist aus. Besonders der Südschwarzwald ist Heimat zahlreicher „Hidden Champions“, wie die „heimlichen Weltmarktführer“ auch gerne bezeichnet werden. Das liegt zum einen am traditionell mühevollen Leben in den abgeschiedenen Schwarzwaldtälern, das den Einwohnern schon von jeher Improvisationskunst und Kreativität abverlangt hat. Zum anderen aber auch an einer Naturlandschaft, die einfach ungeheure Kräfte in sich birgt.

Aus Wasser entstanden

Tief in den Berg haben sich die Flüsse des Südschwarzwalds auf ihrem Weg in Richtung Hochrhein hineingegraben. So entstanden wildromantische Schluchten, wie die Wutach- und die Wehraschlucht, die heute zu den touristischen Aushängeschildern der Region zählen. Schon vor rund 800 Jahren machten sich die ersten Wagemutigen daran, diese Kraft des Wassers wirtschaftlich zu nutzen: Mühlen wurden gebaut. Wehre errichtet. Bäche zu Rückhaltebecken gestaut und ganze Wassersysteme geschaffen, die Maschinen antrieben und Wasserräder in Schwung hielten. Selbst in den abgelegensten Tälern wurden auf diese Weise Löffelmühlen, Sägemühlen, Getreidemühlen, Ölmühlen und Hammermühlen erfolgreich betrieben. Kein Wunder, gilt die Wasserkraft als Initiator der Industrialisierung im Schwarzwald. Dabei entstand eine industrielle Infrastruktur, die bis heute große Namen anzieht.

Große Namen im Verborgenen

Wer hätte das gedacht? Am südlichen Ausgang der großen Schwarzwaldtäler sind Firmen heimisch, die weltweit bekannt sind: Vom Büromöbelhersteller Sedus Stoll über das größte Stoffdruckunternehmen Europas, KBC, bis hin zu den Pharmakonzernen Roche und Bayer – der Südschwarzwald ist nicht nur ein traditioneller Industriestandort, sondern aufgrund seiner verkehrsgünstigen Lage auch ein überaus erfolgreicher Wirtschaftsraum. Es überrascht daher nicht, dass sich hier auch international agierende Logistikunternehmen, wie Streck Transporte oder Grieshaber Logistics, erfolgreich entwickeln konnten. Während diese Unternehmen noch in den großen Kreisstädten der Region zuhause sind, verstecken sich die tatsächlichen Weltmarktführer in den Tiefen des Hotzenwaldes.

Wandertour zu den Hidden Champions vom Hotzenwald

Nein, der Räuber Hotzenplotz ist hier nicht anzutreffen, dafür aber Firmen, die zwar weltweit gefragt sind, deren Namen aber trotzdem nur Branchenkennern bekannt sind. Dabei bietet der Hotzenwald Querweg als rund 50 Kilometer langer Wanderpfad wunderbare Möglichkeiten, den „Hidden Champions“ vom Südschwarzwald einen Besuch abzustatten. Als idealer Startpunkt gilt die Gemeinde Schopfheim im Wiesental. Schon am Stadteingang residiert einer von insgesamt drei Weltmarktführern des Ortes: das Unternehmen Oerlikon Balzers Coating Germany GmbH. Als Experte für Dünnfilm-Beschichtungen beschäftigt Oerlikon Balzers weltweit 3.500 Mitarbeiter. Nur einen Steinwurf davon entfernt, erstreckt sich zudem das Betriebsgelände von Ekato Group. Als Spezialist für Rühr- und Mischtechnik beschäftigt das weltweit agierende Unternehmen allein in Schopfheim 425 Mitarbeiter. Am nördlichen Ortseingang befindet sich zudem der Firmensitz von Laempe Mössner Sinto, dem Marktführer im Bereich Kernmachereitechnologie für die Gießereiindustrie. Als „think tank“ beliefert der Stammsitz in Schopfheim die firmeneigenen Produktionsstätten in Indien und China mit neuen Ideen. Von Schopfheim sind es nur ein paar Kilometer über die aussichtsreichen Höhen des Dinkelberges bis nach Wehr (Baden). Wo die Wehra schon seit Jahrhunderten für wirtschaftlichen Fortschritt sorgt, da liegen heute die Unternehmenssitze von IGS Aerosols, Marktführer in der Abfüllung technischer Produkte, und ROTA Verpackungen, einem von drei Weltmarktführern im Bereich Verpackungstechnik. Jeweils 150 Mitarbeiter beschäftigen die beiden internationalen Unternehmen im beschaulichen Hotzenwaldstädtchen Wehr. Von dort führt der idyllische Wanderweg weiter hinauf bis zum Hornbergbecken, dem modernen Rückhaltebecken des Pumpspeicherkraftwerks Wehr. Begleitet von herrlichen Alpenpanoramen geht es nun durch die Ferienregionen Herrischried und Görwihl bis in die Kreisstadt Waldshut-Tiengen. Wer nun noch mehr über die „Verborgene Industriewelten“ des Schwarzwaldes erfahren möchte, der steigt einfach in den Zug nach Villingen-Schwenningen. Dort bietet die aktuelle Sonderausstellung des Uhrenindustriemuseums noch bis 24. September 2017 interessante Einblicke in die Schwarzwälder Tüftlerkultur.


Gastautor: Daniela Fehrenbacher