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Hausboot-Urlaub auf dem Canal du Midi in Südfrankreich

Hausboot auf dem Canal du Midi, Südfrankreich

Hausboot auf dem Canal du Midi, Südfrankreich

Skipper auf Zeit – Von der Lust auf das kleine Flussabenteuer im Hausboot Canal du Midi.
Urlaub im Hausboot, das bedeutet auf dem geschichtsträchtigen Canal du Midi durch schattige Platanenalleen, über mächtige Schleusentreppen und an lauschigen Flussauen vorbei zu gleiten, um dann in der goldenen Abendsonne den Tag auf dem Sonnendeck gemütlich zu beschließen.

Hausboot Canal du Midi

Wie einst Huckleberry Finn navigieren kleine und große Freizeitkapitäne im schwimmenden Ferienhaus fremden Gestaden und so manchen Mutproben entgegen. Aber mit Fernglas, Naturführer und Angel bestens für den Survivaltrip zu Wasser ausgerüstet, genießen insbesondere Kinder den Erlebnisurlaub auf dem Hausboot im Süden von Frankreich.

Hausboot Canal du Midi mieten

Zunächst musst du einmal ein Hausboot mieten, wenn du kein eigenes dort liegen hast. Für den Canal du Midi kannst du Hausboote führerscheinfrei mieten. Es gibt zahlreiche Vermieter entlang des Canal du Midi. Wir empfehlen, mit einem deutschsprachigen Hausboot-Vermieter oder -Vermittler in Kontakt zu treten, da die Geschäftsbedingungen und der Mietvertrag dann auch verständlich in Deutsch verfasst sind. Was du sonst noch beachten solltest.

Canal du Midi Verlauf auf der Karte

Der Verlauf des Canal du Midi (240 km) auf der Karte (OpenStreetMap):

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Das Flussabenteuer kann beginnen

Hausboote auf dem Canal du Midi, Südfrankreich

Hausboote auf dem Canal du Midi, Südfrankreich, © Xavier MARCHANT – Fotolia.com

Bevor jedoch das Flussabenteuer beginnen kann, muss erst einmal geklärt werden, woher eigentlich das Trinkwasser kommt, wozu man denn Fender benötigt und warum eigentlich nur Papa das Ruder in der Hand halten darf? Aber auch Mini-Abenteuer, wie das Anlegemanöver am Bootssteg der Wasser-Tankstelle, sorgen bei großen Freizeitkapitänen gleichermaßen für Herzklopfen und Erfolgserlebnisse. Dass an Bord sprichwörtlich alle in einem Boot sitzen, merkt schließlich die ganze Amateur-Crew, wenn während der Querung von Schleusen und ziemlich niedrig erscheinenden Brücken der Adrenalinspiegel an Bord kurzzeitig sein Höchstniveau erreicht.

Hausboot Canal du Midi – Freiheit pur

Gerade der Canal du Midi sorgt mit seinen zahlreichen engen und niedrigen Rundbogenbrücken oftmals für aufregende Minuten. Auf insgesamt rund 450 Flusskilometern lassen sich hier, zwischen dem Atlantik und dem Mittelmeer aber auch die kulturellen und naturräumlichen Kleinode von Aquitanien, Midi-Pyrénées und Languedoc-Roussillon auf romantische Weise entdecken. Dabei beginnt der eigentliche “Kanal des Südens” erst in Toulouse, während zwischen Bordeaux und Toulouse die Fahrt mit dem Hausboot über den Canal latéral à la Garonne, den Garonne-Seitenkanal, erfolgt.

Schon 1681 wurde diese einmalige Schifffahrtsstraße fertig gestellt und machte den bis dahin sehr langwierigen Seeweg rund um die Iberische Halbinsel obsolet. Das Besondere am Canal du Midi ist sein durchweg von Alleen gesäumtes Ufer, wodurch bis heute die Wasserverdunstung bemerkenswert minimiert wird.

Seinen Anfang nimmt der romantische Wasserweg in der “ville rose”, der rosaroten Stadt Toulouse. Denn neben Bauwerken unterschiedlichster Architekturepochen zeichnet sich Toulouse insbesondere durch die rot schimmernden Ziegelsteine aus, welche aus den blassroten Tonerden der Haute-Garonne gefertigt wurden. Inmitten dieser romantischen Kulisse kann schließlich das Abenteuer im schwimmenden Ferienhaus durch Frankreich starten. Dabei führt der UNESCO Weltkulturerbe-Kanal zunächst durch Alleen, zu deren Füßen sich die ehemaligen Treidelpfade entlang schlängeln.

Schleusen des Canal du Midi

Die Bootstour führt durch zahlreiche Schleusen des Canal du Midi. Die erste Schleuse erwartet Hausbooturlauber bei Castanet, wo im benachbarten Salon de Thé wahlweise ein Pastis oder ein Tee zur Beruhigung der Nerven erhältlich ist. Derart gestärkt, lockt die idyllische Wald- und Wiesenlandschaft zwischen Baziège und Villefranche-Lauragais, bis bei Avignonet-Lauragais der eindrucksvoll auf einer Kanalinsel gelegene Port Lauragais wieder zur Pause einlädt. Gleich nebenan, an der Schleuse Naurouze, erreicht der Kanal nicht nur auf 189 Metern über dem Meer seinen Scheitelpunkt, sondern rund um das Wasserreservoir zur Regulierung des Wasserstands erstreckt sich auch ein Landschaftspark, der dem berühmten Kanal-Ingenieur Pierre-Paul Riquet Baron von Bonrepos gewidmet ist.

Ab Naurouze führt die Fahrt bergab, sodass auch die in Abständen von durchschnittlich 3,8 Kilometern folgenden Schleusen das Boot stets auf ein niedrigeres Niveau bringen. Wunderbare Anlegemöglichkeiten erwarten die Freizeit-Skipper in der für ihre Töpfer- und Keramikwaren bekannten Mittelalterstadt Castelnaudary. Denn als Rückhaltebecken der Schleusen von St. Roch breitet sich das Grand Bassin inmitten der Altstadt aus und lädt damit zum ausgiebigen Einkaufsbummel ein.

Carcassonne, Unesco Weltkulturerbe, Südfrankreich

Carcassonne, Unesco Weltkulturerbe, Südfrankreich

Weiter durch den grünen Tunnel der Zypressenalleen führt die Reise schließlich ins berühmte Carcassonne, wo die mächtige UNESCO Weltkulturerbe-Burgstadt zum ausgedehnten Landgang lockt.

Highlight: Schleusentreppe von Fonserannes

Kurz hinter Carcasonne wartet zwar die dreistufige Schleuse von Trèbes, doch mit sechs Schleusenstufen bildet Fonserannes vor den Toren von Béziers die größte Schleusenanlage am Kanal. Bevor jedoch diese Bewährungsprobe absolviert werden kann, steigt bei Le Somail noch einmal der Adrenalinspiegel, wenn nämlich die engste der insgesamt 126 Kanalbrücken passiert werden muss. Auf einer Länge von 300 Metern führt schließlich die imposante Schleusentreppe von Fonserannes genau 13,6 Meter nach unten. Dass dafür nur 20 Minuten benötigt werden, ist genauso erstaunlich, wie die mächtige Kanalbrücke im benachbarten Béziers über den Fluss Orb. So lohnt sich in Béziers ein längerer Aufenthalt nicht nur um die eindrucksvollen Kanalbauten zu erkunden, sondern auch um die malerische Altstadt hautnah zu erleben.

Anschließend schlängelt sich der Kanal parallel zum Mittelmeer bis nach Agde, die als quirlige Hafenstadt am Endpunkt des Kanals noch ein letztes eindrucksvolles Kanalbauwerk bereithält. Denn in Agde können Hausbooturlauber wählen, ob sie in der Rundschleuse 90 ° gedreht werden, um in die Altstadt zu gelangen, oder geradeaus in den Mittelmeerhafen fahren. Egal, wo das Flussabenteuer seinen Abschluss findet, der anschließende Strandurlaub im Ferienhaus am malerischen Cap d`Agde im Süden von Frankreich ist für viele regenerationsbedürftige Hausbootreisende ein absolutes Muss.

Ratgeber Hausboot-Urlaub Canal du Midi von Christel Satter

Hausboot Urlaub – Praxistipps für Einsteiger

Christel Satter ist seit 2013 mit Außenbordern auf dem Canal du Midi in Frankreich unterwegs. 2018 hat sie ihre erste Hausboot-Tour auf dem Canal unternommen. Seit 2019 besitzt sie einen Bootsführerschein und schippert seither auch auf deutschen Gewässern. Hier stellt Christel Einsteigern, die einen Hausboot Urlaub auf dem Canal du Midi genießen möchten, ihre Erfahrungen zur Verfügung.

Das solltest du beim Hausboot mieten beachten

Sehr bequem sind sogenannte Terrassenboote. Man hat Wohnraum mit Küche und den Außensitzbereich auf einer Ebene; letzterer ist überdacht, und somit keine Wege mit Geschirr über eine Außentreppe nach oben.”

“Wie viele Schlafplätze man benötigt, ergibt sich aus der Zahl der Crew. Wichtig sind folgende Ausstattungsmerkmale:

    • Größe des Wassertanks
    • Größe des Kühlschranks
    • Ein Gefrierfach ist sehr praktisch
    • Genug Stauraum für mitgebrachte Lebensmittel
    • Ein zweites Badezimmer, falls mehrere mitfahren”

Für Einsteiger eignet sich ein Boot mit Bugstrahlruder

“Eine große Erleichterung für das Navigieren ist ein Bugstrahlruder, da du dich als Anfänger beim Anlegemanöver im Hafen leichter tust. Am besten ist ein Bug- und Heckstrahlruder. Hierzu solltest du wissen, dass ein Boot mit Innenbordmotor rückwärts nicht lenkbar ist. Mit einem Bugstrahlruder tust du dich beim rückwärtigen Anlegen im Hafen wesentlich leichter, da du die Richtung auch beim Rückwärtsfahren ändern kannst. Mietest du ein Boot mit Bug- und Heckstrahlruder, fällt dir das Manövrieren beispielsweise beim seitlichen Anlegen in enge „Parklücken“ und beim Schleusen leichter.

Ein zweiter Steuerstand ist nicht unbedingt notwendig, wenn du eine Vier-Mann-Besatzung beim Schleusen zur Verfügung hast. Falls du nur zu zweit unterwegs bist, erleichtert der Außensteuerstand beim Schleusen das Zuwerfen der Leinen zu der Person an Land. Der Skipper nimmt dann die Leinen mit hoch zum Außensteuerstand und kann von dort aus werfen.”

Wo mietest du ein Hausboot für den Canal du Midi?

„Am Canal du Midi gibt es vier Bootsverleiher: Le Boat, Nicols, Locaboat und Les Canalous. Bis auf Le Boat haben mein Mann und ich alle ausprobiert. Gut gefallen haben mir  Nicols und Locaboat. Als Vermittler für Hausboot Urlaub am Canal du Midi kann ich Nautic-Tours empfehlen. Dort findest du eine komplette Übersicht über alle Verleiher, alle Boote und alle Preise.“

Verleiher / Vermittler von Hausbooten am Canal du Midi
Les Canalouswww.lescanalous.com
Le Boatwww.leboat.de
Nicolswww.hausboot-nicols.de
Locaboat www.locaboat.com

Ist ein Hausboot mieten führerscheinfrei?

„Ja. Die Hausboote sind führerscheinfrei zu mieten. Allerdings erleichtert ein Bootsführerschein die Handhabung eines Bootes doch sehr.“

Welche Strecken sind empfehlenswert?

„Empfehlenswert ist, die erste Bootstour mit vier Leuten zu planen, falls man eine Strecke mit Schleusen aussucht. Schleusen mit nur zwei unerfahrenen Personen kann ansonsten etwas stressig werden. Die bessere Wahl für die Erstfahrt eines unerfahrenen Pärchens ist das „Grand Bief“, eine Strecke ohne Schleusen zwischen der Schleusentreppe von Fonserranes bis kurz vor Argens-Minervois.
Der Canal du Midi hat auch – im Gegensatz zu Flüssen – keine Strömung, was das Navigieren sehr erleichtert.  Zudem wissen die erfahreneren Skipper, dass viele Anfänger auf dem Canal unterwegs sind und nehmen Rücksicht oder helfen auch gerne mal aus.“

Wo kannst du dein Auto parken?

„Die Gefahr, dass das Auto aufgebrochen wird, wird etwas überschätzt. Wir haben bislang zwei Mal auf den bewachten Parkplätzen der Verleiher und einmal auf einem öffentlichen Parkplatz unser Auto gelassen. Die Parkplatzgebühren sind überschaubar.“

Wie viel Kaution musst du hinterlegen?

„Rechne mit mindestens 1000 Euro. Die Kaution entrichtest du am besten mit Kreditkarte. Sie wird nicht abgebucht, sondern nur als Sicherheit hinterlegt und bei unfallfreier Rückkehr auch wieder erstattet.“

Welche Versicherung benötigst du beim Hausboot  mieten?

„Die Kaution entspricht der Selbstbeteiligung bei einem Schaden. Manche Bootsverleiher bieten eine Rundum-Glücklich-Versicherung an. Diese haben wir bei der ersten Tour auch gebucht. Es waren der Treibstoff und eine Versicherung ohne Selbstbeteiligung bei Schaden enthalten. Alternativ kannst du  eine Skipper-Versicherung abschließen. Diese lohnt sich meines Erachtens aber nur, wenn Du häufiger im Jahr ein Boot charterst. Wir haben bei den Folgetouren auf eine Versicherung verzichtet.”

Was ist, wenn du ein Boot beschädigst?

“Wenn du ein fremdes Boot beschädigst, solltest du auf alle Fälle den Schadensbogen, der im Kapitänshandbuch liegt, ausfüllen und möglichst auch Fotos vom Schaden machen. Im umgekehrten Fall – wenn dich jemand rammt – genauso.
Gleiches gilt bei Übernahme des gemieteten Hausbootes. Am besten sehr gut ansehen und Fotos machen. Die Leihboote sind zumeist schon etwas ramponiert. Die Verleiher wissen das und machen nicht wegen jedem Kratzer einen Aufstand.“

Hausboot Mietvertrag in Deutsch?

„Alle Verleiher haben eine deutschsprachige Seite. Der Vertrag kommt in deutscher Sprache per Mail oder Post.“

Gibt es einen Routenplan vom Vermieter?

„Auf jeder Internetseite der Anbieter gibt es Routenvorschläge für die entsprechende Mietdauer. Mir erscheinen die jeweiligen Vorschläge als zu umfangreich. Eine Hausboot-Tour ist Entschleunigung pur und mit einer Autofahrt nicht zu vergleichen. Die Strecke sollte also keinesfalls zu lang sein, sonst verbringst du zu viel Zeit am Steuer.

Wenn du genau weißt, welches Revier du fahren möchtest, ist es vorteilhaft, sich die Streckenkarte zu besorgen. Es gibt sie von der Edition du Breil auf www.carte-fluviale.com. Die Karten sind dreisprachig und beschreiben jedes Detail der Fahrstrecke (wie auch unsere deutschen Gewässerkarten). Zudem sind sie bebildert und mit Einkaufs- und Besichtigungstipps versehen.  Zusätzlich kannst du dir per Smartphone über Google-Maps auch noch Informationen über die genaue Lage von Supermärkten oder sonstigen Einkaufsmöglichkeiten einholen.“

Wie planst du Etappen?

“Die Planung der Etappenziele hängt maßgeblich davon ab, ob du in Häfen oder in freier Natur übernachten möchtest. Ein wichtiger Part für die Versorgung an Bord ist das vorherige Einkaufen und Bunkern von schweren Lebensmitteln. Ich empfehle, den notwendigen Wochenbedarf bereits vor der Abfahrt einzukaufen wie etwa Getränke, Kartoffeln, Zwiebeln und Konserven.

Die Vier-Personen-Boote haben in der Regel auch ein Gefrierfach, wo der Kombüsen-Chef oder die Chefin Fleisch, Fisch und Brot als Notreserve für die hungrige Crew einfrieren kann. Alles andere wie Obst und Gemüse kannst du frisch an den Anlegestellen einkaufen. Wer Besichtigungen einplant, sollte diese wohl dosieren. Nicht alle Sehenswürdigkeiten liegen in unmittelbarer Nähe zum Canal du Midi und die Fahrradtouren kosten Zeit und Schweiß – vor allem im Sommer. Besichtigungen kann man auch entspannt nach der Hausboot-Tour mit dem Auto machen.“

Worauf musst du beim Hausboot fahren achten?

„Nun, ein Boot hat keine Bremse und ist rückwärts nicht zu manövrieren. Das sind die wesentlichen Herausforderungen. Bei der Einweisung werden einige Manöver geübt – andere musst du dir selbst aneignen wie das kursgerechte Aufstoppen, das Rückwärst-Anlegen und das Verhindern des Heck-Abdriftens in der Schleuse.
Wichtig ist es, das Hausboot bei Bedarf zum Halten zu bringen, etwa wenn einem bei einer Brücke ein anderes Boot entgegenkommt und man deshalb warten muss. Anfänger sollten daher auf freier Strecke üben, das Boot „aufzustoppen“. Also es so zum Halten zu bringen, dass es auf der Stelle und dabei möglichst gerade bleibt.

Rückwärts Anlegen Manöver

Das Rückwärts Anlegen kannst du leider nur im Hafen üben. Bei den bewachsenen Ufern ist es nicht ratsam, da die Schraube leicht in Ästen landet und beschädigt werden kann.
Das Abdriften des Hecks in der Schleuse passiert sehr oft. Vor allem dann, wenn die Heckleine nicht zeitig genug aufgefangen und gehalten wird. Du kannst es vermeiden, wenn du gleich nachdem die Bugleine gesichert ist, das Ruder weg von der Schleusenmauer dreht.“

Läuft die Hausboot-Tour immer Hin und zurück?

„Es gibt durchaus die Möglichkeit auch Einwegtouren zu buchen. Wer sich dafür interessiert, muss dabei bedenken, dass er dann mit dem Taxi oder öffentlichen Verkehrsmitteln zum Auto zurückkommen muss – inklusive des ganzen Gepäcks. Zudem sind Einwegtouren meistens auch teurer als Hin- und zurück-Touren.“

Wieviel Zeit solltest du dir für eine Tour nehmen?

„Es gibt Wochenendtouren, 3-Tages-Touren oder die typische Wochentour. Ein wesentlicher Unterschied in der Zeitplanung ergibt sich durch Touren mit oder ohne Schleusen. Je nach Saison können sich vor Schleusen durchaus auch Warteschlangen bilden. Das muss jeder Hausboot Urlauber einplanen.

Unsere erste Bootstour war die einzige mit festem Ziel. Sie ging von Argens-Minervois nach Carcassonne und zurück – inklusive einem halben Tag Besichtigung der Cité.  Die zweite Tour ging von Colombiers nach Argens-Minervois, die dritte Tour von Le Somail nach Marseillette und zurück.
Wenn ich heute eine Hausboot-Tour planen sollte, so würde ich nur ein ungefähres Ziel festlegen. Der Weg ist beim Hausbootfahren das Ziel; so ist die Tour das was sie sein soll: Entspannung pur.“

Wo darfst du anlegen im Canal du Midi?

“Grundsätzlich darfst du überall anlegen – außer an gekennzeichneten Anlegestellen für zum Beispiel Passagierschiffe. Des Weiteren sollest du nicht in Engstellen anlegen, nicht kurz vor Aquädukten oder dem Abzweig zum Canal de la Robine, der Richtung Narbonne führt.“

Kannst du im Canal du Midi baden?

„Das Wasser hat keine Badequalität. Wenn du baden möchtest, so musst du das in einem Fluss oder See tun. Schön ist der Lac de Jouarres bei Homps.“

Wie läuft das mit den Schleusen?

„Die Schleusen sind alle mit Schleusenwärtern besetzt, das ist schon einmal sehr positiv. Das erste Schleusen ist mit einem Adrenalinausstoß verbunden – aber auch kein Hexenwerk. Wichtig beim Aufwärtsschleusen: Man lässt ein Crewmitglied vor der Schleuse an Land gehen. Erst wenn dieses signalisiert „Einfahren“, fährt man los. Keinesfalls solltest du bei Einfahrt das Gas ganz wegnehmen. Das Hausboot ist ohne Vorwärtsgang nicht zu manövrieren. Und: Der Rest der Crew sollte sich mit den Bootshaken bewaffnen, falls du dem Schleusentor zu nahe kommt,  die Leinen sollten sauber aufgerollt und ohne Knoten sein.

Man fährt mit dem Bug bis kurz vor die Schleusenmauer, legt den Rückwärtsgang zum Aufstoppen ein und kommt mit dem Bug so nah an die Mauer, dass der vordere Schleuser die Leine werfen kann. Das Crewmitglied am Schleusenrand legt die Leine um den Poller und wirft sie zurück. Wenn das passiert ist, dreht der Skipper das Ruder ablandig, damit das Heck nicht abdriftet. Der Heckschleuser wirft die Leine und bekommt sie vom Crewmitglied an Land zurück. Die Leinen werden nicht festgemacht, sondern gehalten. Das Schleusentor wird erst dann geschlossen und die Wasserzufuhr gestartet, wenn alle Boote sicher angeleint sind.“

Wo kannst du deinen Müll entsorgen?

„Wir haben immer Gewebesäcke dabei. Darin deponieren wir die Müllsäckchen aus dem Mülleiner und getrennt die Flaschen. Draußen an Deck gibt es genug Stauraum für den Müll. Müll kannst du in jedem Hafen entsorgen.”

Musst du das Boot nachtanken?

„Der Diesel reicht für einen Wochentrip. Was jeder Hausboot Urlauber nachtanken muss, ist Wasser. Wenn du wie wir nicht jede Nacht im Hafen anlegen willst, solltest du nach drei Tagen doch einen Hafen anfahren oder eben eine Wasserzapfstelle (ist in der Kanalkarte auch angegeben). Im Hafen kannst du auch Strom nachladen.

Ein paar Energie-Tipps: Wenn das Boot tagsüber wenig gefahren wird, weil du und deine Familie etwas besichtigen möchtet, solltest du auf Landversorgung umschalten. Die 220 Volt Steckdosen können Hausboot Urlauber nur im Hafen nutzen. Elektrorasierer und Co. sind also nur in Häfen zu benutzen. Ein Adapter für den Zigarettenanzünder ist nützlich, damit wenigstens die Handys aufgeladen werden können.“

Hilfe ist immer in der Nähe

„Da gibt es einiges, aber eine Sache beeindruckte mich besonders. Wir waren zu zweit zwischen Colombiers und Argens-Minervois unterwegs. Mein Mann wartete an der Schleuse auf mein Eintreffen. Der Wind war so heftig, dass ich zweimal vor der Schleuse abgetrieben wurde. Ein Boot mit Schweizern bemerkte meine Probleme und bot Hilfe an. Zwei Männer gingen an Land und winkten, ich solle sie aufnehmen. Ich fuhr also mit dem Bug ans Ufer. Wie die Kletteraffen waren die beiden auf dem Bug, über die Scheibe auf dem Außensteuerstand. Einer übernahm das Ruder. Allerdings wurde auch er vom Wind abgetrieben. Jedoch der zweite Versuch klappte dann endlich.“

Gastautor: Christel Satter

Gastautor: Daniela Fehrenbacher


Tipp: ein schöner und ausführlicher Blogartikel über Hausboot-Urlaub in Irland: https://wetraveltheworld.de/hausboot-irland/