Erlebnis Karwendel: Im „kanadischen Teil“ der Bayerischen Alpen

Karwendel Gebirge, Alpen, Deutschland

Karwendel Gebirge, Alpen, Deutschland

Hinter dem Walchensee steigt die Bundesstraße 11 langsam an, führt am Sachensee vorbei und erreicht schließlich das Bergdorf Wallgau. Gleich am Trachtenhaus Leismüller zweigt die kleine Panoramastraße ab, die direkt ins „Klein-Kanada“ der Bayerischen Alpen führt. Schon vor Jahrhunderten von Bergbauern und Förstern in den Hang gehauen, diente die Risser Forststraße einst als wichtigste Querverbindung zwischen Garmisch-Partenkirchen und Lenggrieß. Wo noch vor knapp hundert Jahren Pferdefuhrwerke ächzend entlang zuckelten, da lockt heute feinster Asphalt auf über 13 Kilometern. Nicht nur für Motorradfahrer ein Dorado, sondern auch Wohnmobilisten und Autoreisende finden ab Ostern gerne den Weg in die Abgeschiedenheit des Oberen Isartals.

Wilde Bergwelt des Oberen Isartals

Wer auf der Risser Straße unterwegs ist, der hat den Karwendelkamm stets im Blick. Mit zackigem Bergrücken, fast dinosauriergleich, erhebt sich die Soierngruppe am südlichen Isarufer. Davor breitet sich das in Jahrtausenden weit in den Kalkkamm hinein gefräste Tal der Isar. Kiesbänke schlängeln sich zwischen die türkisblau schäumenden Fluten, entwurzelte Bäume und Treibgut säumen den mäandernden Wasserlauf und das grüne Buschwerk der Deutschen Tamariske bildet ab und an kleine Inseln inmitten der natürlichen Schotterpiste. Doch gleich dahinter recken Tannen und Fichten ihre spitzen Köpfe in den blau-weißen Himmel und verleihen der Szenerie eine natürliche Urwüchsigkeit, die nur noch in Kanada Ebenbürtiges findet. Kein Wunder, da sind sich Fachleute einig, diese alpine Wildflusslandschaft ist in Europa heute einzigartig. Trotzdem gab es schon früh menschliche Eingriffe in dieses empfindliche Flussökosystem im Herzen der Bayerischen Alpen. So ist das 1924 eröffnete Wasserkraftwerk am Walchensee nur deshalb zu einer Leistung von bis zu 124 MW fähig, weil es sich dank eines komplexen Systems an Kanälen und Wassertunneln auch heute noch direkt aus der Oberen Isar speisen kann. Trotzdem wird die wilde Flusslandschaft heute nachhaltig geschützt.

Gebührenpflichtige Panoramafahrt durchs Karwendel

Um den Zugang zum Oberen Isartal zu regulieren und damit den hier lebenden Tieren und Pflanzen eine möglichst intakte Natur zu garantieren, wurde die Risser Forststraße schon vor Jahren gebührenpflichtig. Ein Mautner überwacht, wer, wann ins Tal hineinfährt. Doch trotz der grandiosen Panoramaaussichten –die Fahrt ist nicht ungefährlich: denn auf der serpentinenreichen, teils sehr engen Route muss stets mit Gegenverkehr gerechnet werden. Zum kleinen Zwischenstopp auf der Strecke laden insgesamt 10 Parkplätze mit direktem Fußweg hinunter zur Isar ein. Die Füße in das erfrischende Bergwasser hängend, träumt sich so mancher Geist hier gerne in die Weiten Kanadas. Doch darf in diesem sensiblen Stück Natur nicht lange verweilt werden – genauer gesagt nur am Tag. Denn das Übernachten entlang der alten Risser Forststraße ist sogar für Wohnmobilreisende strengstens verboten. Dafür freuen sich die bedrohten Flussläufer, Flussregenpfeifer und Gefleckten Schnarrschrecken über die ungestörte Nachtruhe inmitten des Karwendels. Wer an diesem Tag noch nicht genug alpine Naturdramatik erlebt hat, der macht sich noch auf nach Hinterriss. Hier beginnt die ebenfalls mautpflichtige Bergstraße hinauf ins alpine Bergdorf Engalm. Dabei ist der Name hier durchaus Programm, denn die Bergstraße schlängelt sich durch das stellenweise sehr enge Risstal und führt schließlich auf eine Höhe von 1250 Meter, wo die liebliche Wiesenlandschaft des Ahornbodens in krassem Gegensatz zur wuchtigen Bergkulisse des Karwendels steht. Inmitten dieser bäuerlichen Almidylle laden die modernen Gästezimmer der Engalm zur behaglichen Übernachtung ein.

Weitere Informationen zu den alpinen Panoramastraßen im Karwendel unter karwendel-urlaub.de.