Mikro statt Makro? Skiurlaub gegen den Trend

Wintersport Urlaub

Wintersport Urlaub (Foto ©-benoldphoto50-Fotolia.com)

Mehrere hundert Pistenkilometer, turboschnelle Kabinenlifte und Abfahrten für jeden Anspruch, in der Welt des Skisports heißt der Trend: immer größer, länger und schneller. Doch wo Superlative zum Skispaß locken, da müssen Skifahrer mitunter nicht nur tief in die Tasche greifen, sondern erleben auch Freizeitstress. Mikroskigebiete setzen hier bewusst einen Kontrapunkt.

Skifahren – Ein exklusives Freizeitvergnügen?

Ein Vergleich von 250 Skigebieten in Europa und Nordamerika veranschaulichte schon in der vergangenen Saison 2015/16 einen kontinuierlichen Anstieg der Preise für Tagesskipässe weltweit. So lag der durchschnittliche Preis pro Pistenkilometer in der Saison 2014/15 noch bei 0,79 €. Ein Jahr später mussten Skifahrer im Durchschnitt schon 3 Cent mehr bezahlen:

Durchschnittliche Erhöhung des Tagesskipasses auf Länderebene

  • Schweiz:        0,72 % (0,39 CHF)
  • Italien:        1,41 % (0,59 Euro)
  • Frankreich:    2,09 % (0,75 Euro)
  • Österreich:    3,26 % (1,33 Euro)
  • USA:        3,73 % (2,93 USD)
  • Deutschland:    4,08 % (1,30 Euro)
  • Kanada:        4,94 % (3,86 CAD)

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Gesamt: 2,51 % Erhöhung im Vergleich zum Vorjahr

 

Preis pro Pistenkilometer in Europa

  • Skigebiete unter 100 Pistenkilometern:    1,05 Euro
  • Skigebiete über 100 Pistenkilometern:    0,32 Euro

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Durchschnittspreis pro Pistenkilometer in der Saison 2015/2016: 0,82 Euro

Quelle: https://www.skigebiete-test.de/skimagazin/skipaesse-2015-2016-der-grosse-preisvergleich.htm

Obwohl große Skigebiete Synergien effizient nutzen und damit in der Regel deutlich unter diesen Durchschnittspreisen pro Pistenkilometer liegen, machen sich die Folgen des Klimawandels dennoch bemerkbar. So beginnt die Skisaison auch in Höhenlagen über 1.500 Metern immer später und vielerorts ist es inzwischen zur Regel geworden, dass Schneekanonen weiße Bahnen in grüne Berglandschaften zaubern. Große Skigebiete haben also nicht nur mit dem Klimawandel zu kämpfen, sondern auch mit stetig steigenden Kosten.

Mikroskigebiete: Mit dem Liftwart per Du

Wer für einen Tagesskipass bis zu 60 € bezahlt, der möchte auch möglichst viel erleben und nutzen können. Naturerlebnis, Erholung und Zwischenmenschliches rücken hier notgedrungen in den Hintergrund. Anders in Mikroskigebieten: Als Skigebiete mit einer Handvoll Pisten und noch weniger Liftanlagen bieten sie perfekte Bedingungen, um die Natur hautnah zu erleben. Da gibt es keine langen Warteschlangen am Lift, die Pisten sind nicht überlaufen und auch Kinder haben hier oftmals genug Raum, um in aller Ruhe Skifahren zu lernen. Genau solche Kleinigkeiten machen den Charme der Mikroskigebiete aus und sorgen auch dafür, dass der Skinachwuchs begeistert bei der Sache ist. Denn nur wo ein dichtes Netz an Skigebieten zu finden ist, ist Skifahren nicht teuer und gehört für möglichst viele Menschen auch einfach zum Winteralltag dazu. Wer braucht also schon Skikarussell, Skischaukel und Liftverbund, wenn er am Schlepplift noch persönlich vom Liftwart begrüßt wird? Während in imposanten Seilbahnanlagen Drehkreuze mechanisch klicken, Türen sich selbst öffnen und schließen und der Liftpass per Scanner geprüft wird, da ist in Mikroskigebieten auch einmal ein Plausch mit Einheimischen drin. Zeit für sich, Zeit für die Natur und Zeit für die Menschen um sich herum – genau das geht in den Skigebieten der Superlative vielfach verloren. Mikroskigebiete, wie folgende, bieten ein ganzheitlicheres Ski-Erlebnis, trotz oder gerade wegen ihrer einfachen, familienfreundlichen Wintersportinfrastruktur:

Naturpark Weissensee in Kärnten: 6 Pistenkilometer (rot, blau)

Skigebiet Wurmberg im Harz: 11,8 Pistenkilometer (rot, blau, schwarz)

Kandellift im Schwarzwald: 3 Pistenkilometer (rot, blau, schwarz)

Wendelsteinlift in Oberbayern: 11 Pistenkilometer (rot, schwarz)

Herzogstand Walchensee in Oberbayern: 5 Pistenkilometer (rot, schwarz)

Pröller im Bayerischen Wald: 6 Pistenkilometer (rot, blau, schwarz)

 


Gastautor: Daniela Fehrenbacher

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