„Gut Blatt!“: Ein spielerisches Wochenende in Altenburg/Thüringen

Wenn in Altenburg drei Personen an einem Tisch sitzen und jeweils zehn Karten in der Hand halten, dann spielen sie garantiert Skat. Noch vor zweihundert Jahren war das ganz anders: da wurde in den Kneipen zu Füßen des imposanten Renaissanceschlosses Dreiwendsch, Tarock oder Schafkopf gespielt. Um 1810 – 1818 beschlossen jedoch ein paar findige Altenburger Honoratioren, dass aus den Elementen der drei eingeführten Kartenspiele doch etwas Neues entstehen könne. Gesagt, getan. Schon bald setzte sich das Kartenspiel mit 32 Karten, drei Spielern und dem zweiblättrigen Skat nicht nur in Thüringen durch, sondern auch in ganz Mitteleuropa. Seit 2016 – und damit pünktlich zu seinem 200-jährigen Geburtstag – wurde Skat durch die Deutsche UNESCO-Kommission schließlich zum immateriellen Weltkulturerbe erklärt. Ein Grund mehr, sich einmal in der malerischen Skat-Stadt im Erzgebirgsvorland umzuschauen.

Vom Hut zur Spielkarte

Eigentlich war Altenburg im 20. Jahrhundert keine Spielstadt, sondern Weltzentrum der industriellen Hutfertigung. So baute die örtliche Hutmacherindustrie bis 1914 ihren Status als Weltmarktführer im Bereich Klapp- und Seidenhüte eindrucksvoll aus. Nur nebenbei wurden seit 1832 in der ASS Spielkartenfabrik auch die charakteristischen Skat-Karten gedruckt und schon bald in alle Welt versandt. Da nach dem 1. Weltkrieg das Tragen von Zylinder & Co. aus der Mode kam, erlitt das Hutmacherhandwerk in Altenburg seinen schnellen Niedergang. An seine Stelle traten jedoch schon bald die bunten Spielkarten, die seit 1923 auch einen festen Museumsplatz im Schloss Altenburg innehaben. Wie stolz die Altenburger auf ihre Spielkartentradition sind, zeigt sich schon allein in der Tatsache, dass die Gründung des Spielkartenmuseums auf eine Privatinitiative und nicht auf das Engagement der örtlichen Spielkartenfabrik zurückgeht. Aber auch im gesellschaftlichen und sozialen Leben der Stadt ist das Kartenspiel schon seit Jahrhunderten tief verankert.

Ein Glücksbrunnen nur für Spieler

Wo sonst auf der Welt tauchen Kartenspieler ihre Karten vor dem Spiel in einen glücksbringenden Skatbrunnen? Das gibt es nur in Altenburg. Und tatsächlich: der 1903 erbaute Skatbrunnen ist nicht nur der einzige Brunnen weltweit, der einem Kartenspiel gewidmet ist, sondern ist inzwischen auch ein beliebter Treffpunkt von Skat-Fans aus aller Welt. Dabei wacht der wacker kämpfende Wenzel über das lustig dahin plätschernde Brunnenwasser, das auch am ersten Maiwochenende in den Mittelpunkt des Interesses rückt. Denn dann feiert die Skat-Stadt ihr großes Skat- und Spielfest. Mit Spielangeboten drinnen und draußen, zahlreichen Skat-Wettbewerben und Skat-Runden wird dem Kultkartenspiel spielerisch Ehre gezollt. Als sportliches Pendant hat sich seit 2009 zudem der Skatstadtmarathon etabliert.

Ein Spielchen gefällig? Die besten Skat-Tische in Altenburg

Wer nun Feuer gefangen hat und sich mit den lokalen Skat-Matadoren messen möchte, der findet in diesen Gaststätten nicht nur einen Skat-Tisch mit Skatkarten vor, sondern meist auch ein paar skatbegeisterte Mitspieler: Ratskeller in der Ratsschänke, Jagdzimmer im Restaurant Stadt Gera, Skatgaststätte Wenzelburg, Altenburger Riebeck-Bräustübel im Hotel Am Roßplan, Skatstübchen „Eichel-Unter“ im Hotel Astor sowie die Gaststätten Zum Bootsmann, Bei Egon und Helga, Graf de Kartonage, Friesenheim und Wettiner Hof.

Also los und „Gut Blatt!“ in der Skatstadt Altenburg/Thüringen.


Gastautor: Daniela Fehrenbacher