Albanien: Europas Urlauber entdecken das Herz der Balkanhalbinsel

Der Balkanstaat Albanien ist nicht in den Top 10 europäischer Reisehighlights zu finden – noch nicht! Denn das Land zwischen Griechenland, Mazedonien, Kosovo und Montenegro wird unter Individualurlauber schon seit der Ernennung zum EU-Beitrittsland 2014 als Geheimtipp gehandelt. Es ist daher nur eine Frage der Zeit, bis auch die großen Airlines regelmäßig Charterflüge ins Herz der Balkanhalbinsel schicken. Bis dahin bleibt Albanien ein Refugium für Naturliebhaber.

Fakten rund um Albanien

Das Land mit einer 362 Kilometer langen Küsten entlang der Adria misst nur knapp 29.000 qkm und ist damit nicht nur kleiner als Belgien, sondern zählt mit 2,8 Millionen Einwohnern auch nur etwas mehr Menschen als beispielsweise in Schleswig-Holstein leben. Trotz dieser Überschaubarkeit hat das Land eine bewegte Geschichte hinter sich: 1912 gegründet, stellte sich Albanien nach dem Zweiten Weltkriege gegen den umliegenden Vielvölkerstaat Jugoslawien und ging ein Bündnis mit der Sowjetunion ein. 1968 brach das Regime mit der UDSSR und verbündete sich mit dem maoistischen China. Insgesamt mehr als 40 Jahre lang lebten die Menschen in Albanien völlig abgeschottet von den Nachbarstaaten. Erst mit dem Fall des Eisernen Vorhangs setzte auch in Albanien der politische Wandel ein, der sich schließlich in landesweiten Unruhen Bahn brach. 1997 gelang es, erste freie Wahlen in Albanien durchzuführen. Seit 1998 trägt das Land eine demokratische Verfassung und ist de facto eine parlamentarische Republik. Wirtschaftlich befindet sich Albanien immer noch in einem tiefgreifenden Transformationsprozess, der mit einer großen Arbeitslosigkeit (17,9 % in 2014) einhergeht. Neben Handel, Industrie und Dienstleistung bildet der Tourismus den größten Wirtschaftssektor – Tendenz steigend. Übernachteten 2004 noch knapp 600.000 Reisende im Land, so waren es 2009 schon fast 1.8 Millionen. Heute zählt Albanien rund 200 Hotels, die insgesamt 9000 Betten bereitstellen. Aufgrund seiner außergewöhnlichen Naturvielfalt und des teilweise endemischen Artenreichtums attestiert das World Travel & Tourism Council dem Adrialand eine glänzende Zukunft als Reiseland. Schon immer ein kultureller Schmelztiegel, ist Albanien auch heute noch Heimat von Albanern, Griechen, Aromunen, Slawische Mazedoniern, Roma und Balkan-Ägyptern. Da es punktuell zu Aufständen kommen kann, sollten sich Reisende stets auf den Seiten des Auswärtigen Amtes über die aktuelle Sicherheitslage in Albanien informieren.

Reiseland Albanien: Highlights zwischen Adria und den Albanischen Alpen

In Nordalbanien bildet die Stadt Shkodra einen Anziehungspunkt für Urlauber. Am Skutarisee gelegen, laden hier die Burgruine Rozafa und die osmanische Brücke Ura e Mesit zum Besuch ein. Im Hinterland sorgt hingegen der fjordartige Koman-Stausee für Begeisterung bei Naturliebhabern, die hier mit der Fähre zu abgelegenen Dörfern gelangen. Westlich von Shkodra erstreckt sich bis zur Küste die Lagunenlandschaft von Velipoja bis zum 10 Kilometer langen und sehr flach abfallenden Sandstrand des gleichnamigen Badeortes. Weitere Highlights locken im Süden des Landes, wo mit Berat die „Stadt der tausend Fenster“ einen Abstecher wert ist und rund um Saranda einzigartige Naturschauspiele, wie die azurblaue Karstquelle Syri i Kalter („Blaues Auge“) oder das UNESCO-Weltnaturerbe und als einer der ältesten Seen der Welt bekannte Ohridsee. Direkt an der Straße von Korfu befindet sich mit Ksamil zudem einer der beliebtesten Badeorte Albaniens. Von unzähligen kleinen Badebuchten geprägt und vom Nationalpark Butrint mit dem gleichnamigen See umgeben, bildet die Halbinsel Ksamil ein Naturidyll, das schon in der Antike Anziehungskraft ausübte. Davon zeugen zumindest die antike Ruinenstadt Butrint und die bronzezeitliche Höhlensiedlung Kalivo, die beide zum UNESCO Weltkulturerbe zählen und die touristischen Hauptattraktionen Albaniens bilden.


Gastautor: Daniela Fehrenbacher